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"Domian"

Nighttalk im WDR


Spät Nachts, täglich von 01:00 bis 02:00 Uhr, wenn uns andere Sender mit Wiederholungen vom Tage langweilen, läuft versteckt im WDR ein echter Geheimtipp. Eigentlich ist es gar kein Geheimtipp mehr, denn der Nighttalk "Domian" ist nicht nur Kult sondern ein echter Quotenhit.

Wir haben den Machern bei einer Sendung zugeschaut und fanden noch Zeit mit Jürgen Domian ein ausführliches Gespräch zu führen.


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Wer gegen Mitternacht in der Bar des Kinocenters im Medienpark Köln sitzt und seinen Blick auf das gegenüberliegende Gebäude wirft, der kann dort eine kleine Menschenschar sehen, die um diese Zeit zur Arbeit kommt.

Eine gute Stunde bevor Domians Telefon-Talk über Radio und TV live ausgestrahlt wird, ist ein 6-köpfiges Team bereits intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt. Der Arbeitsplatz gleicht einem Großraumbüro in der jede Gruppe ihren Bereich hat.

Redakteur Wolfram Zbikowski ist bereits um 22:00 Uhr eingetroffen und hat als erstes die Post bearbeitet. Meist so gegen 0:00 Uhr trifft Domian ein. Wenn er sich nicht wie heute mit uns unterhält, erfährt er was es neues in der Post gibt und bespricht mit seinem Redakteur mögliche Themen für zukünftige Sendungen.

Damit die Fernsehzuschauer ebenfalls mit dabei sein können, baut ein Techniker jeden Abend eine Standkamera auf und richtet das Studio für die Sendung her.
Zur gleichen Zeit laufen schon die Telefone heiß. Drei Personen nehmen die Anrufe entgegen. Konzentration und Einfühlungsvermögen sind gefordert, denn ein solches Recherche-Gespräch darf nur wenige Minuten dauern. Dann muss entschieden werden, ob sich das Thema für die Sendung eignet.

Trifft dies zu, wird eine Karteikarte ausgefüllt und an die Regie weitergeleitet: Producer Wolfram Zbikowski stellt mit einer Mitarbeiterin (aus dem 'Realisatoren-Team' ist heute Anja Schönhardt an der Reihe) an einem speziellen Programm vor dem LCD-Monitor eine erste Liste derjenigen zusammen, die zurückgerufen werden.

Wenige Minuten vor Sendebeginn kommt Domian ins Großraumbüro, schaut allen mal über die Schulter. Lampenfieber hat er nicht mehr, aber die ersten paar Minuten sind doch immer wieder etwas besonderes. Schließlich sitzt er in dem ca. 4 x 4 Meter großen Studio allein. Übrigens: Er sieht auf dem Monitor, das merken die TV-Zuschauer immer daran wenn Domian einen Blick zur Seite wirft, genau dieselbe Liste die der Producer mit seiner Kollegin zusammen gestellt hat. Mehr als Name und Alter der Personen steht hier aber nicht. Sollte Domian weitere Informationen benötigen, so kann ein Mitarbeiter über einen Kopfhörer mit ihm kommunizieren. Schließlich sitzt er in einem  schalldichten Raum (Studio B).

Während der Sendung sind alle hoch konzentriert. Jetzt kommt der Techniker seiner eigentlichen Aufgabe nach. Damit der Ton immer optimal "rüber kommt", sitzt er vor einem Pult auf dem sich jede Menge Drehknöpfe und Regler befinden. Das Telefonteam legt sich ebenfalls noch mal richtig ins Zeug, bei einer Sendung versuchen bis zu 50.000 Leute durchzukommen, von denen es dann ca. 150 schaffen.

Keine leichte Aufgabe für die Macher, daraus ca. 8 bis 10 Personen auszuwählen die dann tatsächlich mit Domian sprechen. Schließlich braucht man gute Geschichten um die Zuschauer zu so später Stunde noch an den Fernseher zu fesseln.

Bei 60 Minuten Sendezeit bleiben rein rechnerisch für jeden Anrufer 6 bis 8 Minuten. Logisch, in dieser Zeit kann nicht immer das Problem des Anrufers gelöst werden. Doch die Macher der Sendung wollen die Ratsuchenden nach dem Gespräch nicht alleine lassen, deshalb gehört jeden Abend zum Team eine Psychologin bzw. ein Psychologe.

Bei unserem Besuch war Heide im Einsatz. Wie sie uns sagte, ruft sie bei Bedarf die Gesprächspartner von Domian zurück, redet mit ihnen noch etwas ausführlicher und kann oft zusätzlich mit Adressen oder Telefonnummern von speziellen Beratungsstellen weiterhelfen.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell eine Stunde vorbei gehen kann. Sollte das letzte Gespräch auch noch so interessant sein, Domian muss pünktlich Schluss machen, denn zu mindestens für die TV-Zuschauer ist alles automatisch durch die Sendezentrale zeitgesteuert. Genau um 02.00 Uhr wird von der Livesendung auf ein Videoband umgeschaltet, welches weiter durch das WDR-Nachtprogramm führt.

Anschließend gibt es noch eine Nachbesprechung und so endet gegen 02:30 Uhr wieder einmal eine erfolgreiche Sendung.

 


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Zet: Wie ist eigentlich Deine Sendung entstanden?
Domian:
Ursprünglich habe ich einmal die Woche im Radio eine Sendung mit Jugendlichen gemacht. Nach einer Hörfunkreform kam die Idee Nachts eine Talksendung zu machen, die es sowohl im Radio, als auch im Fernsehen gibt. Vorbildfunktion hatten ähnliche Programme aus den USA. Das Projekt war allerdings erst mal experimentell angelegt, wurde aber sehr schnell erfolgreich und läuft nun seit sieben Jahren.
Zet: Hast Du vor der Sendung Lampenfieber?
Domian:
Nein, aber kurz davor geht schon ein Gribbeln durch meinen Körper.
Zet: Wie viele Anrufe erhaltet ihr:

Domian: Mehrere zehntausend versuchen jede Nacht anzurufen, ca. 150 kommen durch, aber maximal 10 können durchgestellt werden.

Zet: Hast Du auch im Nachhinein mal das Gefühl einen falschen Tipp gegeben zu haben?
Domian: Ja das kommt auch vor. Da ist es gut, dass wir immer noch einen Psychologen haben der dem Anrufer im Anschluss weiterhelfen kann.
Zet: Mich überrascht immer wieder wie offen manche Anrufer über ihr Problem reden, obwohl niemand davon wissen darf...
Domian: Die Anrufer werden bereits von meinem Team darüber aufgeklärt, dass die Sendung von jedem gehört werden kann. Ich denke dass viele trotz allem eine Sehnsucht danach haben sich zu outen.
Zet: Nach welchen Kriterien werden Anrufer durchgestellt?
Domian: Es muss einfach eine gute und erzählbare Geschichte sein. Zudem muss der Anrufer psychisch stabil genug sein, um das Gespräch führen zu können. Selbstverständlich müssen auch geltende Gesetze beachtet werden.
Zet: Arbeitest Du immer mit dem gleichen Team?
Domian: Nein das wechselt jede Woche.
Zet: Hast du auch später noch Kontakt mit den Anrufern, erfährst Du von deren weiterem Schicksal?

Domian: Also ganz am Anfang habe ich mit einigen interessanten Leuten Kontakt gehalten. Das hat mich aber bald überfordert, da die Erwartungshaltung einfach zu groß war.

Zudem führe ich täglich rund 10 Gespräche in meiner Sendung und insgesamt waren es bereits über 10.000 Telefonate. Aber ich freue mich, wenn nach einiger Zeit wieder ein "Bekannter" durchgestellt wird und erzählt wie es ihm inzwischen ergangen ist.
Zet:
In Deinem Studio befinden sich einige Accessoires, woher stammen die?

Domian: Das sind zumeist Geschenke und da ich ein Geweihfan bin, darf ein solches auch nicht fehlen.

Zet: Würdest Du auch Werbung für ein Produkt machen?
Domian: Wieso nicht, wenn das Produkt stimmt. Jägermeister würde ja gut zum Geweih passen. Aber im Ernst, Werbung für Kondome würde mich reizen.
Zet:
Was machst Du nach einer Sendung, wie schaltest Du ab?
Domian: Wenn ich von schlimmen Schicksalen gehört habe, geht mir das schon nach. Da ist es auch gut, das wir uns in einer Nachbesprechung noch mal über die Sendung unterhalten. Zu Hause lese ich meist noch etwas und schaue Fernsehen, ins Bett gehe ich meist erst so gegen 5:00 Uhr.
Zet:
Was machst Du in Deiner Freizeit?
Domian: Die findet vor allem in der Sommerpause statt. Ich lese gerne, treibe Sport und unternehme was mit Freunden.
Zet: Lebst Du momentan in einer Beziehung?

Domian: Bereits seit einigen Jahren habe ich einen festen Freund. Er ist ebenfalls Journalist und lebt in Frankfurt.

Zet: Geht ihr auch mal szenemäßig weg?
Domian: Ja, in Frankfurt meist so im Bereich "Schäfergasse".
Zet: Möchtest Du mal nach Frankfurt ziehen.?
Domian: Eigentlich ist es mein Traum irgendwann einmal in Berlin zu leben.


Bücher über Domian > Seitenanfang> Das Interview mit Jürgen Domian> Seitenende> Seitenende

Du möchtest noch mehr über Jürgen Domian und seine Sendung erfahren? Kein Problem, denn inzwischen sind bereits 3 Bücher im Handel, die praktisch keine Frage offen lassen. Mit etwas Glück kannst Du in unserem Gewinnspiel eines der folgenden Bücher gewinnen:

Wolfram Zbikowsk: Domian
vgs verlagsgesellschaft, ISBN 3-8025-1410-6

Der Tag beginnt um 14:03 Uhr mit den Strahlen der Nachmittagssonne...
24 Stunden im Leben des Jürgen Domian, hier erfährt man fast alles über dem Moderator: Vom ersten Zähneputzen, Einkaufen, Kaffeetrinken, natürlich auch viel von den Vorbereitungen, der Durchführung und den Mitarbeitern der Sendung, bis zum Entspannen und Schlafengehen zu Hause. Dazwischen liest man über Domians Aktivitäten außerhalb des Nachttalks und was Prominente von seiner Sendung halten. Das Buch von Redakteur Wolfram Zbikowski gibt viele intime Details aus dem Leben Jürgen Domians preis, zahlreiche Fotos runden diesen Blick hinter die Kulissen ab.

Jürgen Domian, Hella von Sinnen: Jenseits der Scham
vgs verlagsgesellschaft, ISBN 3-8025-1379-7

In dem Buch "Jenseits der Scham stellt sich Jürgen Domian selbst einem Interview, das genauso intim ist wie die Gespräche, die er in seiner Sendung führt. Seine Gesprächspartnerin ist eine langjährige Freundin: Die Entertainerin Hella von Sinnen. Die beiden nehmen 14 besonders interessante (im Buch abgedruckte) Gespräche aus der Sendung Domian zum Anlass, um über Themen wie Tod, Sex, Freundschaft, Selbstjustiz und Kindheitserinnerungen zu sprechen.

Jürgen Domian: Extreme Leben
vgs verlagsgesellschaft, ISBN 3-8025-1327-4

In diesem Buch findet man die Protokolle von extremen aber auch skurrilen und witzigen Gesprächen die Domian in seiner Sendung geführt hat. Die Themen reichen von "Jung und lesbisch", "Der Schwanz", "Autofellatio!?" bis hin zu "Misshandlung, "Kindstod" und Aids". Einleitende und/oder abschließende Kommentare von Domian runden die Themen ab.