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- Gravitation -

J-Pop, Ruhm
und die große Boyliebe


In Deutschland erst als schnöder Zeichentrickfilm für Kinder verschrien, sind "Anime" in Japan eine eigene Filmform, die alle Genre und alle Altergruppen abdeckt.

Meist beruhen diese Filme auf bekannten Comics. Stammen diese gezeichneten Werke aus Japan, so spricht man von "Mangas". Interessanterweise steht der Begriff in Japan jedoch ganz allgemein für Comics. Falls Du Dich wunderst, wieso alle von hinten zu lesen beginnen, das ist hier 'normal'. In Japan ist es übrigens üblich Comics nur in Schwarz-Weiß zu zeichnen.

Titel wie "Lain", "Boogiepop" oder "Gravitation" sind Kult.

Letzterer gehört zu den wenigen Animations-Serien, in der die Homosexualität nicht nur versteckt angedeutet, sondern offen thematisiert wird, ohne dabei den Zeigefinger der Moral zu heben.

Die 13 teilige Comic-Reihe lief zwischen 2000 und 2001 sehr erfolgreich im Japanischen Fernsehen.

Jetzt gibt es die Serie von ANIME VIRTUAL auf insgesamt 5 DVDs im Handel. zet-magazin.de hatte vorab schon mal die Gelegenheit die erste Folge anzusehen...

Der erste Teil beginnt mit Filmszenen aus der realen Welt, die verzerrt dargestellt wird. Also nicht erschrecken, Dein DVD-Player ist nicht kaputt!

Shuichi Shindou ist Sänger und Liedtexter der Band "Bad Luck".

Der 19 jährige mit den pinkfarbenen Haaren, hat gerade einen neuen Text geschrieben, da wird das Blattpapier bei einem Spaziergang vom Wind erfasst und landet genau vor den Füssen von Eiri Yuki.
Der blonde 22 jährige ist das genaue Gegenteil von Shuichi. Er ist kalt, arrogant und zeigt selten seine Gefühle.

Nachdem der Blondschopf einen Blick auf den Text geworfen hat, wirft er Shuichi an den Kopf, dass er ein Möchtegernpoet sei und es lieber lassen sollte. Was Shuichi in seiner unglaublich depressiven, "werden-wir-es-überhaupt-schaffen-Phase" nicht gut bekommt.

Als Shuichi am nächsten Tag zufällig Eiri in seinem Auto fahren sieht, springt er spontan davor, um ihn zu stoppen,
denn einerseits will er so ein vernichtendes Urteil nicht einfach hinnehmen, andererseits ist er von Eiri fasziniert.

Dieser nimmt ihn daraufhin sogar mit zu sich nach Hause und spricht mit ihm über seinen Text, ohne aber seine Meinung zu ändern.

Vom Ehrgeiz ergriffen schreibt Shuichi einen neuen Text, um es Eiri zu beweisen. Kaum fertig, rennt er mit der neuen CD zu Manager Seguchi und Hiroshi, seinem bester Freund und Gitarist der Band, um ihnen den neuen Song vorzuspielen.

In dem Gespräch erklärt Shuichi den beiden wie es zu dem neuen Text kam, worauf ihm Hiroshi erklärt, dass er höchst wahrscheinlich in Eiri verliebt sei. Dabei gibt er so ganz nebenbei zu, ob nun im Ernst oder im Scherz, dass er auch ganz gerne mit Shuichi gegangen wäre. Während des Gesprächs läuft im Hintergrund der Fernseher läuft. Dort sieht Shuichi plötzlich wie über Eiri berichtet wird und erfährt so, dass dieser der zur Zeit angesagteste Pop-Liebesromanschriftsteller ist.

Daraufhin geht Shuichi noch einmal zu Eiris Haus, um ihn zum nächsten Konzert der Band einzuladen. Eiri bleibt cool und meint nur, dass Shuichi ihn nur deshalb immer wieder besuche, weil er sich in ihn verliebt habe. Shuichi schreit Eiri daraufhin an, was er überhaupt wolle, er könne ja nur andere Leute niedermachen.

Der Streit endet mit einem leidenschaftlichen Kuss der beiden...

Wie wird es mit Shuichi, Eiri und Hiroshi weitergehen und  welche Rolle spielt dabei Suguru, der 16-jährige Cousin von Seguchi Tohma, dem Plattenboss der 'Bad Luck'...

Männer mit riesigen Muskelbergen sucht Du in Gravitation vergebens, stattdessen haben die Helden langes Haar, eine schmale Figur und hübsche, niedliche Gesichter. Dies beruht auch darauf, weil feminines Aussehen in Japan schon seit der Heian-Ära vor 1000 Jahren als männliches Schönheitsideal gilt. Der 'ideale' Samurai war zwar nicht verweiblicht, aber doch kultiviert und feinfühlig. Feminine Männer vereinen sozusagen die Stärke und das Aussehen eines Mannes mit weiblicher Intelligenz und Feingefühligkeit.

Die ersten 4 DVDs enthalten die TV-Serie, auf der fünften DVD gibt's die inhaltlich an die TV-Serie anknüpfende Miniserie zu sehen.

Für alle die des japanischen mächtig sind, oder einfach wissen wollen wie es sich in dieser Sprache anhört, enthält die DVD den Originalton mit deutschen Untertiteln. Solltest Du doch die deutsche Sprache bevorzugen, wartet eine hochwertige Synchronisation auf Dich. Die mitreisenden Songs der Serie wurden jedoch alle im Original belassen und untertitelt.

Solltest Du mit Mangas noch nicht vertraut sein, hier die wichtigsten Begriffe:

Anime - Die Abkürzung des englischen Begriffs "animation" (jap.: "animeeshon"), bezeichnet außerhalb von Japan, insbesondere in westlichen Ländern, in Japan produzierte Zeichentrickfilme. In Japan selbst steht "Anime" für alle Arten von Zeichentrickfilmen. Dabei wird nicht unterschieden ob sie im eigenen Land produziert sind oder importiert. Anders als in Europa, richten sich Animes in Japan nicht speziell an Kinder, sondern sind eine eigene Film- wenn nicht sogar Kunstformen, für die verschiedensten Genre- und Altersgruppen.

Manga - Japanischer Begriff für Comic. In Japan selbst steht der Begriff allgemein für alle Comics, im Westen bezieht sich der Begriff hingegen ausschließlich japanische Comics. Mangas werden normalerweise von hinten nach vorne gelesen, wie in Japan üblich, und sind meist in Schwarz-Weiß gezeichnet.

OVA - Ist die Abkürzung für "Original Video Animation (auch "OAV" - "Original Animated Video") und meint Anime, die für den Videomarkt bestimmt sind. Eine Methode, Anime zu kategorisieren, ist die (beabsichtigte) Erstveröffentlichungsart. Dabei werden unterschieden: TV-Serien, OVAs und Kinofilme. Diese Einteilung wird in der Praxis jedoch nicht immer eingehalten. Früher galt: TV-Serien stehen in der zeichnerischen Qualität am niedrigsten und Kinofilme am höchsten. Anime, die als OVAs gekennzeichnet sind, liegen in der Qualität dazwischen.

Bi-Shônen - "Schöner Junge", setzt sich aus den beiden japanischen Worten "Shônen" ("Junge") und der Vorsilbe "Bi-" (schön bzw. hübsch) zusammen. Bi-Shônen sind immer sehr attraktiv, haben meist eine schmale, fast feminine Figur. Auffallend sind auch steht's die langen Haare sowie das coole Auftreten der Figuren.

Shônen-Ai - "Jungen-Liebe", zeigt die Liebesgeschichte zwischen Jungen, in der die Liebesbeziehung und die romantischen Gefühle der Protagonisten im Vordergrund stehen. Die Darstellung von sexuellen Handlungen ist eher selten und wird meist nur angedeutet.

Yaoi - Der Begriff ist die Abkürzung von "Yama nashi, ochi nashi, imi nashi" und heißt "Ohne Höhepunkt, ohne Handlung, ohne Bedeutung". In Yaoi-Manga werden männliche Anime- und Mangahelden in homosexuellen Beziehungen gezeigt. Hier steht jedoch die explizite Darstellung von Sex im Vordergrund. Emotion und zwischenmenschliche Bindungen sind dabei eher nebensächlich.

J-Pop - Kurzform vom "Japanische Pop-Music" bzw. "Japan-Pop". J-Pop ist die übliche Bezeichnung für japanische Pop-Musik. Inhaltlich geht es meist um Liebe und Beziehung. Häufig werden in den Texten englische Begriffe in Form von einzelnen Wörtern oder Phrasen eingestreut. Stilistisch reicht J-Pop von sanften Stücken über trancige Lieder bis hin zu rockigen Stücken (in den "J-Rock" übergehend). Im deutschsprachigen Raum ist J-Pop vor allem bei Anime-Fans beliebt. Viele bekannte japanische Komponisten und Gruppen wirken zugleich auch bei Soundtracks von Anime mit. Zahlreiche "Seiyuu" (Anime-Synchronsprecher) treten auch als J-Pop-Künstler auf.

Visual Kei - Genre des J-Pop, musikalisch zwischen Pop, Rock und Metal. Entsprechend klassischer japanischer Schönheitsideale betonen die überwiegend männlichen Visual Kei-Musiker ihre femininen Züge. Häufig ist auf den ersten Blick kaum ein Unterschied zu einer echten Frau zu erkennen. Grell gefärbte, zu auffälligen Frisuren gestylte Haare gehören zum Standard-Outfit. Make Up, farbige Kontaktlinsen, historisch angehauchte Kleider bzw. Lack und Leder zusammen mit speziell gefertigten Instrumenten runden das Bild ab. Mit trans- oder homosexuellen Neigungen hat der mit dem europäischen "Goth-Look" noch am ehesten vergleichbare Kleiderkodex aber nichts zu tun, sondern es geht in erster Line ums Schocken und Anderssein.

Mein Tipp:

Wie schon erwähnt, beruht die Gravitation-Serie auf der gleichnamigen Comic-Reihe. In Deutschland gibt's die Reihe seit 2003 bei Carlsen-Verlag.

Bericht: BW / tom
Bilder:  Anime Virtual GmbH