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Von Schwarzsehern |
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Mächtig und überlebensgroß. Das sind die ersten Worte, die mir in den Sinn
kamen, als ich Kehinde Wileys Bilder zum ersten Mal sah. Seine Bilder sind
einfach riesig, drei mal drei Meter ist das Lieblingsformat des 1977 in Los
Angeles geborenen Künstlers, der jetzt in New York lebt und arbeitet.
Selten wurde ein junger Künstler so schnell vom Geheimtipp zum Superstar der
Kunstszene.
Über Nacht wurde aus einem unbekannten Kunststudenten der Shootingstar der Art
Basel Miami Beach und der zur Zeit wichtigste schwarze Künstler Amerikas. Die
Galerien reißen sich darum, für ihn Einzelausstellungen zu organisieren und so
bekannte Sammler wie Elton John, Denzel Washington, Larry Warsh, Madonna und
Russel Simmons bezahlen für seine Gemälde bis zu 25 000 Dollar pro Stück.
Obwohl seine Werke auf den ersten Blick klassisch wirken, sind sie doch
unbestreitbar moderner Natur. Wiley selbst beschreibt seinen Stil als Bling
Bling Baroque, der seine Wurzeln in den alten Meistern hat. Maler wie Rafael ,
Michelangelo, da Vinci und Tiepolo stehen Pate für Wileys ausdruckstarke
Gemälde, auf denen er junge Afroamerikaner in klassischen Posen abbildet. Auf
diese ungewöhnliche Kombination angesprochen, berichtet der Künstler wie
fasziniert er als Kind war, wenn er im Museum die Künstler des 18. und 19.
Jahrhunderts bewunderte. Die Kraft der Posen und die heroische Darstellungsweise
hätte ihn tief beeindruckt, dass er immer wieder kam, um die Bilder zu
studieren. Später, als er dann nach New York kam, hätte er das Bedürfnis, die
Menschen zu portraitieren, die ihn tagtäglich umgaben und die Teil seines
Alltags in Harlem waren. Vor allem wollte er sich selbst und die schwarze
Gemeinde darstellen, um so das Fehlen von schwarzen Rollenvorbildern in der
westlichen Kunst auszugleichen. Wiley begann, junge Männer auf der Straße
anzusprechen und bat sie für etwa 100 Dollar die Stunde in seinem Studio für ihn
zu posieren. Als besonders spannenden und wichtigen Teil der Arbeit sieht er das
gemeinsame Suchen nach einem Vorbild für das Gemälde. Er sucht immer einen
bestimmten Typ Mann.
Stark und kraftvoll. Männer mit der Attitüde des Alphamännchens. Er studiert
alte Bücher und Vorlagen mit den Modellen, die selbst auswählen dürfen, wie sie
gemalt werden wollen. Sie posieren wie Propheten, Kriegsherren , Heilige und
Engel. Wiley selbst ist immer wieder überrascht, wie sich seine Musen selbst
sehen und darüber, wer sie sein wollen.
Sobald Wiley und sein Model sich über das Motiv einig geworden sind, beginnt die
Arbeit.
Er nimmt die Pose und das originale Vorbild und bricht es auf, transportiert es
in die Gegenwart, indem er es mit Hip Hop- Attitüden seiner Models und ihrer
Straßenkleidung mischt. Übrig bleiben die opulenten Farben, die Posen,
Accessoires wie z.B. Schwerter, Zepter und Kronen und reiche Ornamente, die sich
in Barock- und in Rokokomanier über das Model und den Hintergrund winden.
Wiley möchte die Sichtweise der Gesellschaft auf den schwarzen Mann als solchen
verändern. Durch seine als klassisch dargestellten Männerportraits kämpft er
gegen das Klischee an, dass den Schwarzen in den Medien als hypersexuelle
Sportskanone oder als kriminellen Gangster propagiert. Er möchte seine Werke als
ironischen Kommentar sehen, der mit den Klischees und den Gegensätzen spielt,
indem er den schwarzen Mann von seiner Rolle als Diener und Sklave wegführt und
zu übergroßen und luxuriös dekorierten Lichtgestalten erhebt . Gegensätzlich ist
auch die Präsentation seiner Arbeiten, so ließ er zum Beispiel bei einer
Ausstellungseröffnung eine klassisch ausgebildete Opernsängerin moderne
HipHop-Songs singen.
Wiley selbst sieht sich als Beobachter des Wandels und der Veränderung.
Veränderungen im Bereich der Hierarchie innerhalb der Rassenkonstruktionen im
Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dem Land, wo aus Tellerwäschern Millionäre
werden und wo, sich ein Volk endlich aus dem Staub erheben kann, der
Jahrhunderte lang an ihm haftete.
Bericht: Danielle de Santiago
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Danielle de Santiago, in den frühen Achtzigern in Südfrankreich geboren, krempelt, seitdem er mit sechzehn für sein Debüt "Die Muschelesserin" für den Grey-Award nominiert wurde, gehörig die Literaturwelt um. |
Sein Werk umfasst Essays zu den Themen Emanzipation, Beziehung, Entwicklung und
Frauenpolitik. Häufig schreibt er auch über lesbische Themen im allgemeinen und
Sexualität im besonderen, im Kontext von Sex und seinem Einfluss auf die
Gesellschaft. Seit zwei Jahren schreibt er darüber hinaus auch noch eine
Lifestyle-Kolumne, die, berühmt für ihren Biss und Humor, das Leben der Reichen
und Schönen aufs Korn nimmt.
Seine Kurzgeschichten vermischen gekonnt die letzten Tabus unserer Gesellschaft
zu einem spannenden Cocktail und wurden vielfach in Anthologien und europäischen
Lifestyle- und Kunstmagazinen veröffentlicht.
Wie es ihm beispielsweise gelingt, sein Familienleben und sein Leben als
Erotikschriftsteller unter einen Hut zu bringen, beschreibt sein Essay "Schöne
Scham", der zusammen mit vielen anderen Ende 2007 in dem treffend betiteltem
Band "Ungeschminkt" erscheinen wird.
Mehr über Danielle de Santiago erfahrt ihr in Kürze in einem ausführlichen Interview.