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VelsPol - Verband lesbischer &
schwuler |
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VelsPol - „Viele wissen nicht, dass es uns gibt.“ 12 Jahre nach ihrer
Gründung kämpft der Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter noch
immer um Gleichberechtigung und Akzeptanz.
Manches ändert sich in Sekundenschnelle. Manches benötigt Jahrzehnte, um einen
Wandel zu erfahren. Und manches ändert sich nie - wenn es niemand versucht. Die
nicht seltene Mischung aus Gleichgültigkeit, Ignoranz, aber auch stetig
wachsender Anerkennung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft ist Beispiel
für einen Wandel, der nur sehr langsam vor sich geht und seine Wurzeln in
Unwissen, Misstrauen und Gesetzesgebungen hat, die bis ins 19.Jahrhundert
reichen.
Im Jahre 1871 wurden homosexuelle Handlungen in Form des §175 unter Strafe
gestellt. Im Laufe der Jahre wurde das Gesetz immer wieder verändert und im
Dritten Reich verschärft. 1941 schließlich erließ Himmler eine Bestimmung, nach
der homosexuelle Mitglieder der SS und Polizei hingerichtet wurden, sobald deren
Neigung bekannt wurde.
Erst im Zuge der Studentenbewegung anno 1969 wurde das Totalverbot der
Homosexualität abgeschafft. Noch weitere 25 Jahre sollte es dauern, bis der §175
aus den Gesetzesbüchern gestrichen wurde. Angesichts dieser Historie verwundert
es nicht, dass das Thema Homosexualität stets ein Tabuthema in unserer
Gesellschaft war und in bestimmten Bereichen zum Teil auch heute noch ist:
Schwule und Polizei? Das geht doch nicht? Bei dieser Vorstellung scheinen
Weltbilder zusammen zu brechen. Insbesondere bei der älteren Generation.
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Dass es Lesben und Schwule auch in der einstigen Machohochburg Polizei gab, gibt und wahrscheinlich auch immer geben wird, scheint im Prinzip eigentlich ganz selbstverständlich zu sein. Doch wer spricht schon darüber? |
Angst vor
Repressalien der Kollegen oder einer vernichtenden Beurteilung des Vorgesetzten,
die womöglich eine Beförderung verhindert, ließ noch bis vor wenigen Jahren die
meisten homosexuellen Bediensteten schweigen und während des Dienstes ein
Lügengerüst aufbauen, wenn es um das Privatleben ging. Denn innerhalb der
Polizei selbst herrschen noch immer Vorurteile und Unsicherheit: Wer noch vor
Jahren verhaftet werden sollte, ist jetzt mein Kollege? Begrabscht mich der
Neue?
Die leidvolle Erfahrung, dass die Gesetzeslage im Beamtentum auf
Mann-Frau-Beziehungen ausgelegt und es an der Zeit ist, seinen Job ohne Druck,
Lügen oder Nachteile ausüben zu können, veranlasste den Polizisten Thomas Ulmer
dazu, ein Seminar im Jahre 1995 zu besuchen, welches der Berliner Jens Dobler
initiierte, um homosexuellen Polizeibeamten aus ganz Deutschland eine Plattform
zum Erfahrungsaustausch zu bieten. Ein richtiger Schritt, wie sich zeigte:
Dieses Treffen war eine Initialzündung, der die Gründung von bis heute neun
Ländervereinen folgte.
Noch im selben Jahr wurde in Baden-Württemberg der Arbeitskreis homosexueller
Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten gegründet.
Thomas Ulmer fungiert mittlerweile als einer von vier Vorständen des
„Dachverbands“ VelsPol Deutschland und lenkt nach wie vor als Vorstand des
Landesvereines in Baden-Württemberg auch dessen Geschicke. Seit dem Jahre 2002
agieren die einzelnen Ländervereine unter dem gemeinsamen Namen und Dach von
VelsPol Deutschland.
Möglich wurde eine solche Gründung auch erst aufgrund der Tatsache, dass sich
mit dem Eintritt der Frauen in den Polizeidienst im Jahre 1987 das Arbeitsklima
und der gegenseitige Umgang der Beamten deutlich zum Positiven und Konstruktiven
hin gewandelt hat. In jedem Jahr findet nun ein Bundesseminar statt, auf dem
junge Kollegen von den Erfahrungen der älteren profitieren und manche
Ländergruppen, die noch am Anfang ihrer Arbeit stehen, von den etablierten
Gruppen lernen können.
Die Arbeitsfelder von VelsPol sind vielfältig: Sie organisieren
Fortbildungsveranstaltungen innerhalb der Polizei, treten als Referenten bei
Gruppen und Vereinen außerhalb des Polizeiapparates auf, halten Vorträge bei
Elterngruppen („Ist der öffentliche Dienst für meinen schwulen Sohn / meine
lesbische Tochter zu empfehlen?“) und informieren mit Ständen auf
Veranstaltungen wie örtlichen CSDs.
| Außerdem ist VelsPol Anlaufstelle für Opfer von Straftaten. Die Mitglieder geben u. a. Hilfestellung bei Erstattung einer Anzeige. Auch Mobbing-Opfer finden Unterstützung und Rat. |
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Während viele Hilfsorganisationen in die Polizeistruktur eingebettet sind und
damit auch Beschränkungen und Reglementierungen unterliegen, will VelsPol
weiterhin unabhängig vom Polizeiapparat agieren. Kooperationen werden dennoch
angestrebt: Künftig soll auf Landesebene mit der Gewerkschaft der Polizei
zusammengearbeitet werden. Die Kooperation sieht eine verstärkte
Öffentlichkeitsarbeit und Seminare im Rahmen der Ausbildung junger Polizisten
vor, um Vorurteile abzubauen und über die noch immer schwierige Situation von
Lesben und Schwulen im Polizeidienst zu informieren. Außerdem fehlt noch immer
eine Darstellung im Intranet, was zur Folge hat, dass der Bekanntheitsgrad
innerhalb der Polizei verhältnismäßig bescheiden ist.
Die Reaktionen auf die Arbeit der VelsPol-Mitglieder decken das gesamte
Meinungsspektrum ab: Von der Bevölkerung erhalten die Beamten meist Lob für
ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen. Innerhalb der Polizei gibt es zum
großen Teil Gleichgültigkeit, manchmal Ablehnung, aber auch Anerkennung. Die
Tatsache, dass viele Beamte überhaupt nichts von der Existenz des Vereins
wissen, macht deutlich, dass es noch viel zu tun gibt.
Besonders an der politischen Front sehen sich die Landesvereine häufig scheinbar
unüberwindlichen Hindernissen gegenüber.
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Da polizeiliche Arbeit Ländersache ist, hängt das Gelingen einer unabhängigen Vereinsarbeit zu einem nicht unerheblichen Teil von der jeweiligen Regierung ab. |
Während sich z. B. die Stadt Stuttgart in
Form des Polizeipräsidiums sehr kooperativ zeigte und in diesem Bereich auch
viele Erfolge erzielt wurden (seit 1997 Einrichten des Postens eines/einer
Gleichstellungsbeauftragten, Akzeptanz des Vereins, Einholen von Ratschlägen
seitens des Polizeipräsidiums), ignorierte das Innenministerium
Baden-Württemberg die Existenz von VelsPol Baden-Württemberg über viele Jahre
hinweg. Die angeblich zu geringe Zahl an Mitgliedern mache eine Förderung des
Vereins bzw. eine Beschäftigung mit dessen Belangen nicht notwendig.
Das änderte sich im Frühjahr 2005, als VelsPol einen neuen Katalog mit
Forderungen einreichte, der das Innenministerium dazu brachte, sich nun doch
intensiver mit dem Thema zu befassen. Dies führte u. a. dazu, dass das Thema
Homosexualität in der Polizei künftig Teil der Polizistenausbildung sein wird
und zur Aufklärung beitragen soll. Weiterhin fordert VelsPol Baden-Württemberg
einen Ansprechpartner auf Polizeidirektionsebene (Landkreis) und auf
Landesdirektionsebene (Regierungspräsidium).
Ende 2005 jedoch mussten die Kolleginnen und Kollegen beim Polizeipräsidium
Stuttgart einen schweren Rückschlag hinnehmen, denn die Stelle der
Gleichstellungsbeauftragten wurde unter Polizeipräsident Dr. Schairer ersatzlos
gestrichen.
„Der Posten sei nicht mehr notwendig“ kommentierte die Inhaberin der Stelle
ihren Abgang. Dem widerspricht Thomas Ulmer entschieden: „Die Stelle ist mit
einer Frau falsch besetzt. Lesben haben intern wie auch extern deutlich weniger
Probleme mit der Akzeptanz wie Schwule.“ Daher wären deren Probleme nicht
angemessen behandelt worden. Der Länderverein Berlin-Brandenburg richtete als
einer der ersten Verbände die Stelle eines „Beauftragten für
gleichgeschlechtliche Partnerschaften“ ein und ist damit bis heute erfolgreich.
Dass die Arbeit nicht vor der eigenen Haustür aufhört, zeigt die Tatsache, dass
im Jahre 2004 in den Niederlanden die Vereinigung „European Gay Police
Association“ (www.eurogaycops.com) ins Leben gerufen wurde. Die Mitglieder aus
allen größeren europäischen Nationen (u. a. auch VelsPol Deutschland) tauschen
sich hier jährlich aus. Die Gründung dieses europäischen Verbundes hatte einen
positiven Nebeneffekt: Länderorganisationen wie in Großbritannien erlebten
ungeahnte Mitgliederzuwächse aus dem homo- wie heterosexuellen Lager. Da die
Vereinigung zudem von der europäischen Union unterstützt wird, engagierten sich
zunehmend namhafte und einflussreiche Polizeibedienstete ( z. B. von Scotland
Yard), was dem britischen Pendant zu VelsPol beinahe den Status eines „Lion’s
Club“ bescherte.
Von einer solchen Entwicklung ist man in Deutschland noch weit entfernt.
Vielleicht aber ist das Bundesseminar ein weiterer Schritt dorthin.
Es fand im August 2006 erstmals in Stuttgart und zum zweiten Mal in
Verbindung mit einer CSD-Veranstaltung statt.
| Hier konnten sich alle Polizeikollegen (ob hetero, schwul oder lesbisch) in einem Seminar über den aktuellen Stand der Dinge informieren. |
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Wer Informationen über die Arbeit und das Angebot der einzelnen
Landesverbände einholen will, wird auf deren Internetseiten fündig:
www.velspol.de (für Baden-Württemberg: www.velspol-bw.de. Dort wird auf alle
anderen Länderseiten verwiesen, findet man einen Abriss über die historisch
bedingten Probleme von Homosexuellen in der Polizei sowie Flyer, Ratgeber und
Berichte zu aktuellen Themen).
Interessenten, die aktiv mitarbeiten wollen, sind jederzeit willkommen. Thomas
Ulmer gibt zu bedenken, dass viele Kollegen Konflikte bewusst vermeiden,
ungeoutet leben und an ihrer Situation nichts ändern wollen, obwohl sie sich
nicht sonderlich wohl fühlen. Diese Vermeidungsstrategie sei der falsche Weg.
Damit sind sicher keine Fortschritte zu erzielen. Und diese sind trotz aller
Etappenerfolge nach wie vor notwendig.
Bericht: Clint Metzger
Bilder: VelsPol