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= PersonenPorträt =

In dieser Rubrik stellen wir Dir Persönlichkeiten aus
     - Politik
     - Wirtschaft und
     - Unterhaltung
vor.
In einer Mischung aus Bericht und Interview erfährst Du etwas über das Leben der Person.


Jean Daniel Cadinot

Der Franzose gehört zu den Vorreitern der homoerotischen Foto- und Filmkunst. Seit 1980 veröffentlichte er bis heute über 55 Filme und mehrer Fotobände. In seinen Filmen macht er aus seinen Vorlieben keinen Hehl, so stellt er immer wieder Analspielarten in den Vordergrund erotischer Handlungen.

In einem Exklusiv-Interview sprach "Zet - das ANDERE Magazin" fast 4 Stunden mit der Ikone. Dabei zeigte sich uns Cadinot sehr gefühlsbetont. Zwischen zu "Tränen gerührt" und humorvoll, erlebten wir einen Mann Mitte 50, der immernoch ein verspielter Junge geblieben ist.

 

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Interview mit J. D. Cadinot

Zet: Sie fingen mit der Fotografie an, heute machen Sie mehr Filme. Was machen Sie lieber?
Cadinot: Beides gleichermaßen, denn ich mag die Abwechslung. Bei Videos kommen die Bilder auf eine ganz andere Art zustande als bei der Fotografie, wo auf eine einzige perfekte Einstellung geachtet werden muss.

Zet: Ihre Filme bewegen sich zwischen Kunst und Pornografie, wo sehen Sie Ihre Werke?
Cadinot: Im Leben stehend! Ich mag den Begriff "Pornografie" nicht, da er einen sehr negativen Beigeschmack hat. Ein pornografischer Film wird nicht als Kunst angesehen und meist nur mit Business in Verbindung gebracht. Da ich mich mehr als Künstler sehe, haben mir schon manche Produzenten vorgeworfen kein guter Geschäftsmann zu sein.

Zet: In Ihren Filmen wird auch französisch gesprochen, obwohl doch eine Vermarktung in englischer Sprache sicher besser möglich wäre.

Cadinot: Das liegt einfach daran, dass die Darsteller meistens Franzosen sind. Ich berücksichtige in meinen Filmen aber auch die Muttersprache der Schauspieler und in Zukunft werden die Filme sicher noch europäischer.

Zet: Einige ihrer Darsteller spielen immer wieder in Ihren Filmen mit...
Cadinot: Ich bin in der Freundschaft sehr treu. Es gibt Männer die schon seit über 20 Jahren mitspielen.

Zet: Welche Anforderungen stellen Sie an einen Bewerber?
Cadinot: Mir wird manchmal vorgeworfen, dass mir nur ein Typ gefallen würde. Das stimmt jedoch nicht. Mir geht es nicht nur um den Körper, sondern auch um die innere Schönheit, wie auch einen intelligenten Blick.

Zet: In vielen amerikanischen Produktionen sind die Darsteller heterosexuell. Ist die sexuelle Ausrichtung der Darsteller für Sie in Ihren Filmen von Bedeutung?
Cadinot: Nein. Jungs die in meinen Filmen mitmachen müssen einfach Spaß am Sex haben.

Zet: Sie produzieren Ihre Filme von der Idee bis zum Abschluss selbst, wer inspiriert Sie dabei?

Cadinot: Mein Leben ist meine Inspiration. Bereits mit 12 Jahren wusste ich, dass ich schwul bin. So habe ich in meinen ersten Filmen Erlebnisse aus meiner Jugend verarbeitet. 

In meinem Leben habe ich zudem 1000 kleine Jobs gemacht, die Erfahrungen die ich dort gesammelt habe, findet man in meinen Filmen wieder.

Zet: Wie gehen Sie mit Kritik an Ihren Filmen um?
Cadinot: Wenn ein Kritiker einen Film umsonst bekommt und dann nicht einmal richtig hinschaut, dann hat er auch kein Recht zu kritisieren. Man sollte schon Respekt vor dem Film und der Arbeit die darin steckt haben. Etwas anderes ist es mit Leuten die den Film kaufen, sie dürfen auch kritisieren, was Ihnen nicht gefällt.

Zet: Was kostet eigentlich eine Filmproduktion bei Ihnen und was erhalten die Darsteller für eine Gage?
Cadinot: Ich bin stolz darauf, dass ein Film rund 23.000 Euro (150.000 Franc) kostet. Dabei mache ich alles selbst, von der Kamera bis zum Schnitt. Sonst würden die Kosten sogar doppelt so hoch liegen.
Ich teile meinen Erfolg mit den Darstellern, die Gage beträgt oft zwischen ca. 1.500 und 3.000 Euro (10.000 - 20.000 Franc), das hängt von der Rolle und der schauspielerischen Qualität ab. Kommen die Darsteller aus anderen Ländern, übernehme ich den Flug und alle wohnen bei mir im Haus. Während ich einen Film drehe, sieht es bei mir wie in einer Jugendherberge aus.

Zet: Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Film?

Cadinot: Das ist unterschiedlich, oft 3-6 Monate, manchmal bis zu einem Jahr. Oft ist es auch gar nicht einfach die Termine so zu koordinieren, dass alle Darsteller Zeit haben.

Zet: Gibt es auch Schwierigkeiten mit Behörden, z.B. bei Aussendrehs?
Cadinot: eigentlich nicht, da ich hier immer aufpasse. Aber manchmal passieren schon lustige Geschichten:
Einmal haben wir im Wald gedreht und die Jungs hatten Uniformen an. Kurz darauf kamen Polizisten, die meinten Soldaten würden sich prostituieren. Ich konnte die Situation jedoch retten, indem ich sagte, dass ich vom Belgischen Fernsehen sei und eine Reportage machen würde. In Frankreich gelten die Belgier als etwas sonderbar, so hat man mir geglaubt.
Ein anderes Mal schwammen einige Darsteller durch einen Fluss. Daraufhin wurden die Angler wütend, weil die Fische verscheucht wurden. Die Jungs revanchierten sich, indem sie die Luft aus den Fahrrädern der Angler ließen und die Luftpumpen versteckten. Die Polizei kam und die Übertäter mussten sich stellen. Ich erzählte den Polizisten, dass ich der Chef einer Jugendgruppe sei. Keiner hat gemerkt das wir einen Film drehten.

Zet: Welche Verhältnis entsteht zwischen Ihnen und einem Modell während der Aufnahmen?

Cadinot: Das wichtigste ist gegenseitiges Vertrauen. Ich versuche mehr der große Bruder zu sein als der Chef.

 Ich bin aber auch sonst für die Darsteller zu sprechen. Es kommt auch vor, dass mich welche wegen Probleme mit ihrem Partner oder anderen Sorgen anrufen und um Rat fragen.

Zet: Unterstützen Sie auch angehende Fotografen/Filmemacher?
Cadinot: Ja das ist schon vorgekommen und ich habe bereits Filme produziert. Allerdings haben manche Angst, dass ich wegen meines Rufes unerreichbar sei. Zudem bin ich nicht so gerne in Paris, da dies meistens Stress bedeutet. Ich bin lieber in meinem Haus, ca. 100 km entfernt von der Hauptstadt.

Zet: Wie hat sich das Aufkommen von AIDS in den achtziger Jahren auf Ihre Filme ausgewirkt?
Cadinot: Ich habe viele meiner Freunde durch Aids verloren. Nachdem Aids ein Thema wurde, gehörte ich zu den ersten, der von den Darstellern einen Aidstest verlangte, damit sich bei Aktionen ohne Gummi keiner anstecken konnte. Allerdings wurde so bei einigen festgestellt, dass sie positiv waren. Für viele war dies ein sehr großer Schock. In dieser Zeit dachte ich auch daran mit meiner Arbeit aufzuhören. Ich habe mich dann entschlossen keinen Test mehr zu verlangen und dafür nur noch mit Kondomen zu drehen. Es sollte keiner mehr zu einem Test gezwungen werden und da alle Gummis benutzen mussten, wurden alle gleich behandelt. Ich wollte keine Diskriminierung.

Zet: Haben Sie Vorbilder, welche Regisseure bewundern Sie?
Cadinot: Ich habe keine speziellen Vorbilder. Ich habe einen breiten Geschmack und ich mag u.a. Filme von Visconti, Spielberg, Chaplin und Truffaut. Bei schwulen Pornos ist eigentlich keiner für mich interessant, auch wenn Filme von Cazzo oder Kristen Bjorn durchaus von guter Qualität sind.

Zet: Was glauben Sie macht den Erfolg Ihrer Filme aus.
Cadinot: Erstens gehe ich respektvoll mit meinen Darstellern um und zweitens lasse ich mich von meinen Erfahrungen und dem Alltag inspirieren, so kann sich jeder mit der Handlung identifizieren.

Zet: In Ihren Filmen spielen Sie oft mit Licht und Farben, aber auch mit Gefühlen...
Cadinot: Bei der Fotografie habe ich das Spiel mit dem Licht gelernt. Ich verstehe mein Handwerk und muss so nicht lange überlegen, kann mich also auf die Gefühle konzentrieren. Ein guter Lehrer sagte mir einmal, dass ein gutes Bild zu 30 % aus Technik und 70 % Gefühlen besteht.

Zet: Zwischen verschmusten Liebesszenen und zum Teil brutaler Gewalt gibt es in Ihren Filmen alles zu sehen, was reizt Sie an diesen Kontrasten?
Cadinot: Das Leben besteht eben aus verschiedenen Elementen und dies spiegelt sich eben auch im Film wider.

Zet: Welche Tabus gibt es, die Sie in Ihren Filmen nicht zeigen?
Krankheit.
Cadinot: Als mein Vater an Krebs starb, war ich 18. Ich habe dies miterlebt und war dadurch traumatisiert.
Ich mache auch keine Filme wie "Philadelphia", die den tragischen Aspekt der Homosexualität zeigen. In meinen Filmen soll zum Ausdruck kommen, dass das Leben spaß macht.

Zet: Sehen Sie sich Ihre eigenen Filme wieder an?
Cadinot: Nein, dies ist ein Abschnitt meines Lebens, ich schaue nicht zurück.

Zet: Welcher Ihrer Filme ist Ihr Favorit?
Cadinot: Es gibt inzwischen rund 60 Filme von mir. Einige sind Meisterwerke wie "Harem", "Gamin de Paris", "Les Minets sauvages", "Sacre College". Dann gibt's es noch viele gute und sehr gute Filme, aber auch einige die nicht erwähnenswert sind.
In dem Film "Chaleurs" wird zum Bsp. ein reicher Deutscher von einem armen Tunesier gerettet. Es wird die Frage aufgeworfen wer ein glücklicheres Leben hat. Eine Antwort darauf gebe ich aber nicht, denn man soll zum Nachdenken angeregt werden.

Zet: Welches Verhältnis haben Sie zu Ihren Fans?
Cadinot: Ich habe Fans auf der ganzen Welt. Viele kommen aus einer gehobeneren Schicht, es sind eben Menschen die von einem Porno mehr als das übliche erwartet. Natürlich beantworte ich auch meine Fan Post. Aber durch meinen Erfolg gelte ich oft als unerreichbar und viele trauen sich nicht mir gegenüber spontan zu sein.

Zet: Unterstützen Sie schwule Organisationen/Vereine?
Cadinot: Ja, wenn sich Menschen engagieren unterstütze ich das auch finanziell. Mir ist es wichtig Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Zet: Wie stehen zur Homo-Ehe?
Cadinot: Diese staatliche Anerkennung halte ich für wichtig. Ich lebte selbst schon in einer eheähnlichen Beziehung. In Frankreich gibt es auch ein entsprechendes Gesetz, dieses halte ich jedoch für nicht akzeptabel, da es nicht genügend Vorteile und Rechte bietet. Es hat bisher mehr symbolischen Charakter. Wenn ein Gesetz nur eine Karikatur der Hetero-Ehe darstellt, lehne ich es ab.

Zet: Was machen Sie in Ihrer Freizeit, gehen Sie auch in Szene-Lokale?
Cadinot: Da ich ständig arbeite, habe ich kaum welche. Ich möchte mich auch nicht ablenken lassen und arbeite daher sehr gerne nachts, wenn es ruhig und dunkel ist. In die Szene gehe ich nicht und Discos finde ich generell nicht so spannend.

Zet: Sind Sie in einer Beziehung treu?
Cadinot: Ich hatte schon langjährige Beziehungen und bin dann auch körperlich treu. Heute brauche ich nicht mehr so viel Sex wie in meiner Jugend. Der Sex bei einem One Night Stand dauert nur eine Stunde und hinterlässt dann bei mir einen bitteren Nachgeschmack. In meinen Filmen ist der Sex dagegen zeitlos. Daher lautet mein Motto: "Meine schönste Liebe seid Ihr", damit meine ich meine Darsteller, Fans und Filme.

Zet: In Ihren Filmen wird deutlich, dass Sie eine Vorliebe für Analverkehr haben, was bedeutet guter Sex für Sie privat?
Cadinot: Ich bin nicht Schwanz sondern Arsch fixiert. Ein Loch ist einfach geil. Daher beneide ich auch die Bisexuellen, da sie hier einfach mehr Auswahl haben. Ich selbst bin absolut schwul, schaue mir die Jungs aber nicht aus einem tuntigen Blickwinkel heraus an, sondern als Mann und Macho. Ansonsten bin ich beim Sex flexibel. Ich bin die Frau aller Männer und der Mann aller Frauen! Deshalb kann ich mich auch mit Schnecken identifizieren, sie sind männlich und weiblich. Ich esse auch keine Schnecken, denn man isst schließlich nicht seine eigene Art.

Zet: Wären Sie heute noch einmal gerne jung?

Cadinot: Nein. Ich war damals voller Komplexe. Heute findet man mein Gesicht als 20jähriger hübsch, damals war es nicht "in Mode". Heute habe ich die Möglichkeit selbst Modetrends nach meinem Geschmack zu setzen.

Zet: Was planen Sie in den nächsten Jahren und an was soll man sich in einmal erinnern, wenn man Ihren Namen hört?
Cadinot:
Eigentlich mache ich keine Pläne für die Zukunft. Ich habe mir meine eigene Familie geschaffen und will das Leben jetzt und heute genießen, solange es geht. Ich bin kein Kapitalist, eher ein Vertreter der 68er Generation, daher habe ich auch kein großes Vermögen angehäuft. Meine Firma wird es aber auch nach meinem Tod noch geben. Es reicht mir, wenn die Menschen mich als einen Stein im Bauwerk der Emanzipationsbewegung sehen und wenn ich anderen geholfen habe, ihre Sexualität zu akzeptieren.


Sein künstlerischer Wertegang in Fakten

 

Studium der Fotografie an der l'Ecole de Photographie
1965  Assistent des Studio Valois, dass für seine Star-Porträts berühmt ist.
1971  Mitarbeit bei verschiedenen Magazinen und der schwulen Presse in Frankreich, Schweden und Deutschland (Him, Du & Ich, Hom-Oh).
1972  Korrespondent des Magazins "After Dark" von New York, Fotografie von Zizi Jeanmaire, Mickael Denard, Daniel Gerard. Alain Chanfort usw.
Erste Provokation: Er fotografierte Yves Navarre, Patrick Juvet und Pascal Auriat nackt für dieses Magazin.
1974  Ovide, sein erstes Album, mit einer Vorrede von Alain Peyrefitte.
1975 - 1979      17 Fotoalben "Masculin" mit einer Gesamtauflage von 170.000 Exemplaren und auswärtige Ausgaben in den USA, Italien und England.
1978  Gründung seiner Produktionsgesellschaft "French Art".
1980  "Tendres Adolescents", sein erster Film auf 16 mm.
1985  Ausgabe des "Guide Videomo", Fotoalbum seines ersten Filmes.
1989  Ausgabe von "50 Garcons", Fotoalbum seiner folgenden Filme.
1992  Er beendet das Filmen im 16 mm Format und beginnt mit der Videokamera. Seitdem dreht er unaufhörlich...
1997  Ausgabe einer CD-Rom, die eine Auswahl von Fotos von 55 Hauptwerken beinhaltet.
1997  Nominiert beim Venus Award in der Kategorie "Best Director".
2001  Gewinner des Venus Awards in der Kategorie "Bester Gay-Film"  für "C'est la vie"!

 

Seine besten Filme

 

Bericht: Tom
Bilder: Bill