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Ein gutes Buch in der Hand, für eine Zeitlang in eine andere Welt eintauchen. Das ist halt doch etwas anderes, als von einem Monitor zu lesen.

Hier folgen einige Bücher-Tipps ...

= Romane und Sachbücher =

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Liebesspiele der Samurai SeitenanfangSeitenanfangDie Magd des Monsieur MalapertSeitenende

Es gibt vier Arten von schwulen Büchern: Solche, in denen es ums Coming-Out geht, solche, in denen schwuler Sex in seinen Facetten beschrieben wird, Romane mit Handlung, in denen der Sex nur eine beigeordnete Rolle spielt, und künstlerische Bücher.

Bei diesem Buch fällt mir die Klassifizierung besonders schwer. Auch nach dem dritten Lesen bin ich mir nicht sicher, ob das Buch eher künstlerisch ist, ob die beschriebene Handlung, die Liebes- und Lebensgeschichten erzählt, ausreicht, um den schwulen Sex, der in besonders künstlerischer, asiatischer Form der Umschreibungen in den Hintergrund zu drängen, oder ob es einfach eine gelungene Mischung von allem ist.

Dieses Buch macht mich ratlos, und das will was heißen. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, ich bin kein Fan von Mangas, Yaoi oder Zeichentrickfiguren. Demzufolge kann ich erst einmal mit den erwähnten historischen Liebesspielen nur wenig anfangen. Es berührt nicht von vorneherein mein Herz, zu lesen, wie unschuldige Knaben von erfahrenen Kämpfern das Spiel der Liebe zwischen Mann und Mann erlernen, und es reißt mich auch nicht gleich zu Beginn mit, erfahren zu dürfen, wie herzlich die Liebe zwischen zwei Kabukidienern ist - für mich ist es einfach eine Geschichte. Liest man das Buch, fällt einem zuerst auf, dass - im Gegensatz zu vielen anderen Werken - die Protagonisten alles andere als blass und profillos sind. Es gelingt dem Autor, sich binnen kürzester Zeit so in Details zu verlieren, dass die Charaktere stark, machtvoll und vor allem bunt hervorstechen, jeder auf seine Art. Die große erzählerische Kraft, die in den Geschichten steckt, breitet sich auf den ersten paar Seiten aus und zieht den Leser in ihren Bann.

Jemand, der einen Hang zu Geschichten dieser Art hat, wird sich vom Buch verzaubert fühlen und immer mehr wollen.

Alexandros Chakiris: Liebesspiele der Samurai
Himmelstürmer Verlag

Wolfram


Heiße Erotikartikel!

Die Magd des Monsieur Malapert SeitenanfangLiebesspiele der SamuraiMarkus Dullin: Der Fremde in mirSeitenende

Die Geschichte führt uns nach Amsterdam, ins 18 Jahrhundert. Anna findet eine Anstellung bei einem unauffälligen Musikalienhändler. Sie geht in ihrer Arbeit auf, hofft aber, dass ihr Boss sie mehr beachtet und mehr in ihr sieht, als nur eine Dienstmagd.

Doch dann findet sie etwas über ihren Arbeitgeber heraus...

Die Geschichte beruht auf einem historischen Skandal. Die 1965 in Den Haag geborene Autorin Anja Sicking schreibt flüssig und gut. Hat man das Buch begonnen, möchte man auch weiter lesen. Es liest sich wie ein Tagebuch, ein Tagebuch, dass die Dienstmagd geschrieben hat und in dem sie die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählt.

Der Leser bekommt ein Hardcoverbuch mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Edel und schön. Das muss man an dieser Stelle erwähnen, da ich schon Bücher in der Hand hatte, deren Druckbild, Aufmachung und Seiten alles andere als gut waren.

Die Geschichte ist hervorragend erzählt, aber deprimierend und darum für sensible Gemüter nur bedingt empfehlenswert. Der gute Musikhändler ist den jungen Boys aus Amsterdam zugetan. Das entdeckt die Magd irgendwann. Es folgen besorgte Väter und eine Magd, die versucht die Situation zu retten. Aber Monsieur lässt nicht ab. Was man ja verstehen kann. :-) Und wie endet es – der gute brave Musikhändler, der seine sexuelle Lust trotz Verbot auslebt, landet beim Henker.

Das Buch ist kein Erotikroman. Dennoch hat die Geschichte etwas prickelndes, Geheimnisvolles und Verbotenes. Und so stellt man sich beim Lesen auf die Seite des Täters. Die verbotene Frucht zu genießen, von ihr zu träumen und ab und zu zu naschen.

Anja Sicking: Die Magd des Monsieur de Malapert
SchirmerGraf Verlag


René Gäbler


Markus Dullin: Der Fremde in mir SeitenanfangDie Magd des Monsieur MalapertMissouriSeitenende

Markus Dullins neues Werk heißt zutreffend "Der Fremde in mir", handelt der sozial- und gesellschaftskritische Roman doch von der Wandlung, die ein Mensch aus den verschiedensten Gründen, körperlich und geistig erleben kann.

Ich persönlich habe lange Zeit überlegt, ob ich diese Rezension tatsächlich schreibe, ob ich sie schreiben möchte, und es blieb nicht beim einmaligen Lesen, sondern bei intensiver Beschäftigung mit dem Buch, ich bin nämlich selbst betroffen. Im Prinzip ist Protagonist Frank, der als Heranwachsender Dinge wie Oberflächlichkeit, Statussymbole und ähnliches zu seinem Lebensziel erkoren hat, und nun sehr dick über sein altes Leben reflektiert, ein Abbild von mir selbst, der nach fünf Jahren hoher Cortisondosen nun selbst einen ordentlichen Kummerspeck mit sich herumträgt. Das ist auch der Grund, warum mir das Buch an bestimmten Stellen beim ersten, unvorbereiteten Lesen einen zielsicheren Schlag in die Magengrube versetzt hat.

Beim zweiten Lesen jedoch fällt dann auf, dass Frank trotz Veränderung bei Körper und Alter nicht wirklich weise geworden ist, sondern nur verbittert, und sich wieder zu alten Werten zurückwünscht, weil er einsam ist. Diese Verbitterung ist es, die ihn zynisch und rachsüchtig werden lässt, weswegen er im Buch seinen alten, egozentrischen und kriminellen Trainer verfolgt und nach dem Leben trachtet.

Dullin prangert zu recht den Drang nach Schönheit um jeden Preis der schwulen Welt an, der in meinen Augen immer skurrilere Blüten treibt. Er schafft im Buch eine deutliche Atmosphäre und sorgt für ausreichende, leider etwas zu flache Diskussionen zum Thema Jugend- und Schönheitswahn. Hier hätte Dullin etwas mehr in die - auch psychologische - Tiefe gehen müssen, um wirklich glaubhaft zu wirken. An den meisten Stellen strahlt das Buch Kälte aus, distanziert agiert Dullin, distanziert wirken die Figuren. Man merkt an dieser Stelle, dass der Autor gerne über das Thema geschrieben hätte, aber nicht wirklich Einstieg gefunden hat; das Buch wirkt daher oftmals sehr "gewollt", ganz so, als hätte Dullin für sich beschlossen, ein Buch um eine Aussage herum zu verfassen, nur so funktioniert Sozialkritik eben nicht.

Markus Dullin: Der Fremde in mir
Querverlag

Wolfram


Missouri SeitenanfangMarkus Dullin: Der Fremde in mirEin perfekter KellnerSeitenende

Wer nach "Brokeback Mountain" Lust auf schwule Liebe im Wilden Westen bekommen hat, der wird mit der Erzählung „Missouri“ gut bedient.

Bereits Mitte der 90er Jahre hat die Autorin einen Roman geschrieben, dessen Bestandteil vorliegende Erzählung ist. Diese ist nicht unbedingt eine Lektüre, die man sich nebenher zu Gemüte führen kann. Denn auch wenn die Story recht simpel ist, so folgt man aufgrund fehlender Exposition und ausführlicher Charakterisierung der Personen sowie abrupten Handlungssprüngen nur dann, wenn man bei der Lektüre konzentriert dabeibleibt. Bei 115 Seiten ist das aber auch kein Problem.

Mitte des 19. Jahrhunderts verschlägt es den Schriftsteller Douglas Fortescue mitten in den Wilden Westen, weil sein Bruder Jeremy dort ihrer beider neue Heimat wähnt. Bei einem Überfall wird Douglas von einer Räuberbande entführt, deren Anführer ein junger Halbblutjunge ist. Wie es der Zufall will, hat dieser nicht nur lesen gelernt, sondern stieß bei seiner Suche nach Lesestoff auch auf Fortescues lyrische Ergüsse.

Obwohl die beiden Männer Welten trennen, entwickelt sich zaghaft eine sonderbare Beziehung zwischen den beiden und Fortescue verliert schon bald seinen Status als Geisel. Doch in der Zwischenzeit hat Jeremy einen Trupp an schießwütigen Männern angeheuert, um seinen entführten Bruder aus den Armen des berüchtigten Kriminellen zu retten....

In ihren besten Momenten gelingt es Christine Wunnicke die besondere Anziehungskraft zwischen zwei Menschen einzufangen, die so gar nichts gemeinsam haben als pure Emotionen. Der mitunter stenoartige Erzählstil verhindert aber, dass sich die Gefühlswelt der Figuren und die besonderen Umstände dieser rauen Welt vollständig erschließen.

Christine Wunnicke: Missouri
Männerschwarm Verlag
ISBN: 3-935596-44-8

Clint Metzger


Ein perfekter Kellner SeitenanfangMissouriDer rote DominoSeitenende

Eine Neuentdeckung! So würde ich mit einem Wort den neuen Roman von Alain Sulzer charakterisieren, der nunmehr, nach der Hardcover-Ausgabe (2004), auch als günstigeres Taschenbuch zu haben ist.

Keine Angst, es ist kein Benimm-Buch oder wie man ein guter Kellner wird, vielmehr, eine sehr gefühlvoll-melancholische Geschichte um Zuneigung, Sehnsucht, Enttäuschung, Verrat und all die anderen kleinen und großen Gefühle.

1936: Monsieur Erneste (warum er eigentlich immer und von Anfang an Monsieur heißt, obwohl er auch nicht viel älter ist als sein geliebter Jakob, erschließt sich nicht ganz) ist Kellner in einem großen Schweizer Nobelhotel an einem See. Ein Jahr nach seinem Dienstantritt verguckt er sich in den neu aus Deutschland angekommenen Lernkellner Jakob, der auch zu ihm eine Zuneigung fast. Durch äußere Zufalle begünstigt, kommen die beiden – scheu und behutsam – einander näher und verbringen drei sehr schöne Monate. Dann kommt die klimatisch bedingte Zwangspause über den Winter – und der sich inzwischen sowohl seiner Schönheit als auch seines Marktwertes bewusste Jakob kommt verändert zurück. Zwar teilen die beiden immer noch Zimmer und Bett, aber es ist nicht mehr so, wie es war.

Wie Erneste dann schmerzvoll erfahren muss, bietet sich der inzwischen zum lukrativen Posten des Barkeepers aufgestiegene Jakob anderen Männern, wenn auch gegen Bezahlung, an. Ein kleiner Gigolo also. Einer seiner treusten Kunden ist der berühmte Schriftsteller Julius Klinger, mit dem er schließlich, als Erneste die beiden mit Jakob auf den Knien in flagranti erwischt, auch nach Amerika mitgeht, wo er dessen heimlicher Geliebter und Sekretär wird.

30 Jahre hört Erneste nichts von seinem ehemals und einzigen Geliebten, dann treffen aus heiterem Himmel zwei Briefe ein, die ihm nichts weiter als ein dreistes Ultimatum setzen: er soll in seinem Namen bei dem inzwischen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Autor Geld für ihn, dem es dreckig gehe und hinter dem das FBI her sei, lockermachen.

Natürlich erinnert uns diese Kurzfassung sehr an die Amour Thomas Manns mit einem Kellner in einem Schweizer Hotel, die der in Basel geborene Sulzer hier zu einer wahrhaft verzwickten Geschichte verwebt. Ohne gleich eine Tradition aufmachen zu wollen, erinnert diese literarische Ausgestaltung einer nur wenig aufgeklärten Episode aus dem Leben eines bekannten Schriftstellers an die ebenfalls genial erzählte, spannende, aber dennoch hypothesengleiche homoerotische Ausformung der Beziehung von Lenz und Goethe durch Marc Buhl in seinem leider inzwischen verramschten Romanerstling "Der rote Domino" – den ich hier trotzdem noch einmal jedem ans Herz legen möchte.

Die oben kurz skizzierte Vorgeschichte muss natürlich auch im Roman erzählt werden, was die Geschichte manchmal etwas verlangsamt, aber als die eigentliche Story dann erstmal richtig in Fahrt kommt, ist es ein ausgesprochenes Leseerlebnis, das ein wahres Geflecht von heimlicher, erwiderter und erkaufter, befolgter und verratener Liebe eröffnet – und auch ein Selbstmord ist da dabei, dem eine ganz neue Hypothese unterlegt wird.
Fazit: unbedingt lesen!

Alain Claude Sulzer: Ein perfekter Kellner
Frankfurt M.: Suhrkamp Verlag, 2006
3-518-45741-1; Taschenbuch mit 215 S.

Dirk


Der rote Domino SeitenanfangEin perfekter KellnerTräume aus PlüschSeitenende
War unser guter alter, ob der allgemeinen Lobhudelei und fast schon Vergötterung, die um ihn betrieben wird, von manchen gehasster Goethe wirklich so ein "Schwein, das Böses will und Böses schafft" (Stephan Maus, NZZ), wie in diesem bemerkenswerten Erstling des in Freiburg als Deutsch- und Englischlehrers lebenden Marc Buhl?

Und was hat es mit den dunklen Flecken rund um den Weimarer Streit auf sich, der die beiden in Straßburg zu Freunden gewordenen Goethe und Lenz entzweit und letzterem schwer auf die Galle schlägt und letztlich in den Wahnsinn treibt und gleichzeitig das Ende seines literarischen Ansehens bedeutete? Um diesen offensichtlichen Skandal strickt Buhl seine intelligent in wohldosierten Puzzlesteinen preisgegebene, spannend erzählte Geschichte einer von dem einen im Nachhinein geleugneten Männerliebe im 18. Jahrhundert.

Doch ist das Ganze kein historischer Roman: durch eine ebenso verschlossene wie burschikose Doktorandin, die sich des Themas annimmt und offensichtlich ob eines brisanten Fundes während ihrer Forschungen spurlos verschwindet ist sie mit der Gegenwart des Jahres 2001 (immerhin dem Jahr des 250. Geburtstages des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz) verbunden, was gleichzeitig den Detektiv auf den Plan bringt, der die Story zu einem Kriminalfall macht. Und letzterer, seines Zeichens akademischer Ghostwriter und verhinderter Professor, bringt einige Skurrilitäten des wissenschaftlichen Betriebes ans Tageslicht, in die auch das tempelgleiche Weimarer Goethe-und-Schiller-Archiv verwickelt ist. Richtig brisant und durch einige weitere kriminelle Handlungsschienen erweitert wird die Story durch die Rückblenden auf das abenteuerliche Schicksal vermeintlich seit Goethes Zeiten, von verschiedenen Seiten forciert, totgeschwiegener brisanter Briefe Lenzens an Goethe. Diese belegten nicht nur dessen Liebe zu ihm und würden somit Goethe in den Reigen mannmännlich Liebender einreihen, sondern den großen Deutschen gleichzeitig als ebenso großen Plagiaten entlarven, der nicht davor zurückschreckte, wohlausgeformte Plots anderer zu seinen Gunsten auszuschlachten und als seine zu verkaufen.

Allein die Story des Schicksals dieser Briefe – aus Goethes Geheimfach auf den Privatboden des Goethe-Archivars von Hitlers Zeiten in den modrigen Keller einer Bibliothek in der tiefen russischen Provinz, an denen durch dummen Zufall plötzlich die russische Büchermafia Interesse zeigt – ist spannend genug und legt gleichzeitig die Verwerfungen um einen der größten Kulturraube des 20. Jahrhunderts offen. Auf offensichtlich sehr gut recherchierter Grundlage entwirft Buhl einen durch und durch flüssigen, von der ersten bis zur letzten Seite spannenden Roman und erdichtet (oder schildert?) eine homoerotische Beziehung zwischen zwei großen deutschen Dichtern. So kann selbst Literaturwissenschaft nicht nur Spaß machen, sondern spannend sein. Mögen sich Wissenschaftler oder Deutsch-Leistungskurse dieser Geschichte annehmen und deren Wahrheitsgehalt be- oder widerlegen! Den Lesern des Romans sind auf jeden Fall ebenso unterhaltsame wie spannende Stunden beschert!

Marc Buhl: Der rote Domino. Frankfurt: Frankfurter Verlagsanstalt
Hardcover mit 280 S., 19,90 €
ISBN: 3-627-00098-6

Dirk Carius


Träume aus Plüsch SeitenanfangDer rote DominoCybersex GuideSeitenende
"Ich habe Angst, Torero" heißt dieses wahrhaft bezaubernde Büchlein im Original und wohl deshalb ziert das Pierres-&-Giles-Bild gleichen Namens das Titelcover.

Um einen solchen indes geht es höchstens indirekt. Die oben zitierte Zeile entstammt einer der vielen Schlagerschnulzen, die die liebenswerte Tunte von der Front im Chile Mitte der 1980er Jahre immer wieder schmachtend vor sich her trällert. Bis sie eines Tages Carlos, den verträumten Mannskerl "mit dem Lilienmund" kennen lernt, vermeintlich Student, vor allem aber Widerstandskämpfer gegen Pinochet. Die Wohnung des schwulen Paradiesvogels wird bald darauf zum Waffenlager, das die Tunte liebevoll ausschmückt. Fortan schmachtet sie den unvorhersehbaren, aber sehnlichst erwarteten Besuchen ihres Lieblings entgegen. Und Carlos lässt sich gar von ihr lieben, und eines Nachts erträumt sich die Tunte sogar eine – sprachlich selten so gelungen dargestellte – Blow-job-Romance. Nun ist aber weder die Tunte so ahnungslos wie sie vorzugeben scheint, noch der Hetero Carlos so gefühlskalt ihr gegenüber, wie man erwarten sollte. Die beiden kommen sich wahrhaft näher – ohne den Boden ihrer eigenen Identität zu verlassen. Mag die Geschichte auch sehr stark nach Der Kuss der Spinnenfrau klingen, dem sie auch durchaus angelehnt ist, macht die sprachliche Meisterschaft des Autors das Büchlein doch zu etwas ganz Einzigartigem, in dem wohl jeder seinen Genuss findet. Ein besonderer Leckerbissen auch sind die Stellen, an denen Diktator Pinochet von seiner keifenden und lamentierenden Frau Gemahlin, die nur den neuesten Mode- und Generalsgattinnenklatsch im Kopfe hat, genervt wird oder die scharwenzelnde, ihre Pobacken zusammenkneifende Schwulette, die ihn auf seiner idyllischen Landvilla bedient, von ihm daraufhin aus der Armee entfernt wird – nur um ihm danach in Alpträumen wieder zu erscheinen. Träume aus Plüsch sind eine rundum zu empfehlende Erscheinung auf unserem Büchermarkt dieses Frühjahrs. Wem es da nicht warm und behaglich ums Herz wird …

Pedro Lemebel: Träume aus Plüsch. Frankfurt: Suhrkamp
201 S., 8,50 €
ISBN 3-518-45557-5

Dirk Carius


Cybersex Guide SeitenanfangTräume aus PlüschNachtnovelleSeitenende

Was suchen (fast) alle im Internet? Erotik und Sex natürlich! Ob Pics, Chats, Shopping oder Storys, das Internet ist voll davon. Doch genau da liegt ja bekanntlich das Problem, wirklich gute Seiten sind gar nicht so einfach zu finden. Zum Glück ist jetzt der "Cybersex Guide" auf dem Markt.

Unter "Erotics & Sex" findest Du jede Menge gut sortierte Internet-Adressen mit unzähligen Bildern. Von Links zu jungen Typen bis zu Bären und natürlich auch den Bereich "Special Interest", also Fetisch und die härteren Sachen, ist alles dabei.
Zudem wurden die Homepages von Porno-Stars und Film Produzenten, sowie einen Abschnitt über Video & Webcams mit aufgenommen. Bei "Service" erwarten Dich Links zu Chat- und Dating-Systemen sowie Escort-Adressen und unter "Shopping" findest Du für das dann anstehende Date hoffentlich die richtigen Toys und Klamotten.

Zu jedem Link gibt's eine ausführliche Beschreibung in deutsch und englisch. Entsprechende Codes geben zudem u.a. an, ob ein Alternachweis notwendig ist oder ob die Seiten kostenlos sind. Dank der Beschreibung kannst Du schließlich auch gut abschätzen ob es sich lohnt für eine Seite zu bezahlen.

Damit das ganze Buch nicht nur aus Adressen besteht, wurde es durch ganzseitige Farbfoto diverser Erotik-Stars aufgelockert.

Als besonderes Bonbon geben u.a. die Jungs von Chi Chi La Rue noch ihre persönliche Top 10 der Web-Sexseiten an...und die sollten sich ja nun wirklich auskennen!

Infos, z.B. über die "Alter-Überprüfungs-Systeme", Videos im Netz, Tipps fürs Chatten und sichere Surfen im Netz, runden den Guide ab, der eigentlich immer direkt neben der Computertastatur liegen sollte.

Cybersex Guide, 180 Seiten, farbig
Bruno Gmünder Verlag


Nachtnovelle SeitenanfangCybersex GuideNiklas and friends 1Seitenende
Nach Berlinsolo und Allein die Welt dazwischen legt Peter Hofmann mit seinem nunmehr dritten Roman einen weiteren  Beweis seiner erzählerischen Meisterschaft vor.

Wiederum geht es um die Fähigkeit und den Willen sich zu binden und wie viel man dafür zu geben und aufzugeben bereit ist – und was es bedeutet, dem anderen zu vertrauen. Doch scheint es diesmal auch wirklich zu klappen: nach über zweieinhalb Jahren "Neujustieren der eigenen Messgeräte" ziehen die zwei Liebenden zusammen in die gemeinsame Wohnung: der Ich-Erzähler, der bislang nur Affären und ONS kannte und der Geliebte mit bislang zwei langjährigen Beziehungen. Auf welchen Kompromiss zwischen Monogamie und Beziehung "mit Freifahrschein" kann man sich einigen? Eine Nacht kann recht lang werden, wenn der Geliebte nicht nach Hause kommt. Und was ist nicht alles bei der Aufgabe der alten Haushalte und deren Verschmelzung zu einem neuen, gemeinsamen zu bewältigen. Doch ausgerechnet kurz nach dem Einzug ins traute Heim plagen den Ich-Erzähler Zweifel, ist er sich seines Geliebten unsicher: Wird die Beziehung halten?  Gefühlvoll, plastisch und mit ganz eigener Tonlage lässt der Autor in Rückblenden des Ich-Erzählers das Kennenlernen, den ersten Kuss und das Zusammenwachsen der beiden vor dem Auge des Lesers auferstehen. Besonders beeindruckend ist, mit welch treffenden Worten er auch scheinbar banale Dinge und Situationen seziert – wie zum Beispiel die unterschiedlichen Geräusche, die dem Wartenden in der gemeinsamen Wohnung entgegenschlagen. Eine Wortgewalt, wie sich beispielhaft in der Kennzeichnung zweier älterer Kunstgreise, die einen "jungen, knabenhaften Kellner in ein Gespräch verwickelten, kurz davor, sich auf ihn zu stürzen wie ein geriatrisches Hyänenrudel" enthüllt!

Peter Hofmann: Nachtnovelle. Berlin: Querverlag
221 Seiten, 17,95 €
ISBN 3-89656-085-9

Dirk Carius


Niklas and Friends 1 - Bloss keine Mädchen SeitenanfangNachtnovelle2 Boys in LoveSeitenende

Comics liegen voll im Trend und auch speziell für Schwule gibt es inzwischen eine große Auswahl an Heften und Büchern. Und trotzdem, ein Coming-Out-Comic ist mir bisher noch nicht in die Hände gefallen!

Der blonde Niklas ist ein verträumter, aber trotzdem ziemlich aufgeweckter Junge. Eines Tages schließt er mit seinen Freunden Fabian und Jason einen Pakt, sich immer die Wahrheit zu sagen. Dazu gehört aber auch der Wunsch mal einen anderen Jungen zu knuddeln und knutschen. Zum Glück sind sich die drei schnell einig das mal zu testen!

Komplizierter wird es, als das Trio zusammen mit Jonathon eine Rockband gründen will und es Jason beim Anblick des Neuen buchstäblich die Sprache verschlägt.

Das ist natürlich noch nicht alles, denn die vier erleben zusammen mit anderen noch eine Menge Abenteuer und immer sind erste Gefühle mit Körperkontakt dabei.

Auch wenn die Jungs eher wie aus den 60er Jahren wirken, so macht es doch Spaß die Geschichten um Niklas, seine Freunde und ihre ersten erotischen Erfahrungen, wie sie sich ganz ungezwungen näher kommen, zu lesen.

Wenn Du nun rausfinden willst, warum Niklas so gute Freunde hat, dann solltest Du Dir dieses Comic-Buch kaufen!

Niklas Edlund: Niklas and Fiends 1
MATTEI Medien GmbH


2 Boys in Love SeitenanfangNiklas and friends 1L.A. AffäreSeitenende

Zwei Männer auf dem Cover und als Titel 2 Boys in Love?
Ah - romantische und erotische Kurzgeschichten. Männer, Boys, Magie, Romanzen, Affären, erste Liebe zwischen Teenagern - alles ist vertreten.

Sehr schöne, sehr romantische, erotische und gefühlvolle Storys. Der New Yorker Lawrence Schimel kann schreiben. Es mag zwar nicht realistisch sein, was seine Feder aufs Papier bringt, aber unterhaltsam ist es allemal. Ein Lesetipp für heiße Sommertage!

Lawrence Schimel: 2 Boys in Love
MATTEI Medien GmbH

René Gäbler


L.A. Affäre Seitenanfang2 Boys in LoveDenn ich wache über deinen SchlafSeitenende

Der Berliner Ben zieht nach Los Angeles. Dort wohnt sein Freund Adam. Bald schon ist der Freund weg...

und die beste Freundin rät dem Protagonisten, die amerikanische Großstadt mit all ihrem Trubel zu verlassen und zurück nach Berlin zu gehen. Doch Ben bleibt in L.A. ...

Ein schwuler Roman, der eine bunte, fremde Welt zeigt. Ein bisschen Film-Glitzerwelt, ein bisschen Ami-Großstadttrubel und viele Verwicklungen. Ein amüsanter Roman, den man getrost weiter empfehlen kann. Und da der Autor tatsächlich eine Weile in Los Angeles gelebt hat, weiß er, wovon er berichtet.

Kriss Rudolph: L.A. Affäre
Bruno Gmünder Verlag Berlin

René Gäbler


 Denn ich wache über deinen Schlaf SeitenanfangL.A. AffäreDie KnabenSeitenende

Nach neun Jahren trennt sich der Protagonist Reiner von Nik. Er findet einen neuen Freund mit dem etwas eigenartigen Namen Itch. Anderthalb Jahre später läuft er seinem Ex über dem Weg...

Es geht um Kraft, Liebe und Treue. Allerdings hat der Autor des Buches eine eigene Definition von Treue, was er im Buch auch rüber bringt und seinen Lesern zu vermitteln versteht. Damit mag er vielen Schwulen "genau das richtige Buch" servieren.

Das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam. Der Leser sollte im Buchladen einen Blick hineinwerfen, um so heraus zu finden, ob es die richtige Wahl ist. Mir persönlich gefällt der Roman weniger. Zu sehr will mir der Autor seine Partner-Treue-Liebe-Lebensweisheit aufbinden. Zu wenig lese ich vom bunten Leben, vom Alltag und von nicht alltäglichen Abenteuern.

Stefan Niederwieser: Denn ich wache über deinen Schlaf
Querverlag Berlin

René Gäbler


Die Knaben SeitenanfangDenn ich wache über deinen SchlafFeuer und EisSeitenende

Der Titel "Die Knaben" und das Buchcover verspricht einen erotischen Sexroman. Auf 479 Seiten? Nein. Natürlich nicht. Bei diesem Taschenbuch handelt es sich um einen Roman des 1896 geborenen französischen Schriftstellers Montherlant.

Er verarbeitet autobiographische Erlebnisse zu einem wundervollen, manchmal etwas schwierig zu lesenden Roman. Die Schwierigkeit liegt an der etwas altmodischen Ausdrucksform. Geschwollene, manchmal blumige Schachtelsätze gemischt mit einer feinen Beobachtungsgabe und einer sehr sinnlichen Beschreibung der ersten Liebe junger Internatsschüler. Das Leben im damaligen Frankreich wird realistisch wiedergegeben. Doch es gibt nicht nur sinnliches, interessantes und gefühlvolles zu Lesen. Die Schüler bespitzeln sich gegenseitig und versuchen sich mit Gehässigkeiten auszustechen. Intrigen werden gesponnen und Opfer für sadistische Quälereien gesucht. Ein absolut lesenswertes Buch und ein Geheimtipp für alle Freunde von guter belletristischer Unterhaltung. Sensible Gays sollten sich Taschentücher bereitlegen. Leser, die Pornogeschichten mögen, sind sicherlich nicht gut beraten mit diesem Buch.

Henry de Montherlant: Die Knaben
Bruno Gmünder Taschenbuch

René Gäbler


Feuer und Eis SeitenanfangDie KnabenObsessionSeitenende

Was geschieht, wenn sich zwei junge Autoren der Yaoi-Szene (japanische Gaystories), ein professioneller Lektor und Verleger sowie eine Zeichnerin zusammentun? Es entsteht ein Buch wie das Vorliegende - und das Ergebnis an sich ist überraschend.

Ist man nämlich von den meisten Anhängern der Yaoi-Szene, die sich meist über Mailinglisten im Internet austauschen und dort ihre Geschichten veröffentlichen, beinahe nur Geschichten gewohnt, in denen es um ausschweifende Beschreibungen erotischer Szenen zwischen einem meist dunkelhaarigen Aktiven und einem blonden Passiven geht, deren Rolle von Anfang an festgelegt, und deren junge (meist soeben erst erblühte) Liebe zum anderen Geschlecht sogleich durch packende, höchst theatralische Eifersuchtsszene gefährdet ist, so offenbart sich in "Feuer und Eis" eine ausgesprochen freundliche und vor allem realitätsnahe Geschichte, in der es - natürlich ! - um die Beziehung zwischen zwei Sportlern geht. Während im reinen Yaoi meistens Asiaten mit Europäern... uhm, spielen, sind es hier ein Amerikaner und ein Latino, und es ist eigentlich eine ganz normale Geschichte. So, wie man es von arrivierten Autoren gewohnt ist.

Keine Werwesen, die es mit Menschen treiben, keine Aliens oder gar Fantasy-Gestalten, die sich untereinander paaren, sondern ganz einfach ein Eishockeyspieler und ein Eiskunstläufer. Realistisch, knackig, kurz und vor allem mit einer tüchtigen Prise Erotik kommt der Erstling der beiden Autoren daher.

Die Autoren von "Feuer und Eis" gehören dabei zu den Newcomern der arrivierten schwulen Literaturszene 2004, wie ich finde. Das macht ihr Buch, mal abgesehen von der wirklich schönen und absolut nicht gekünstelten Schreibweise, wirklich empfehlenswert.

BlackBolt & Raphaél Asdrai: Feuer und Eis
ISBN/Verlag: 3-934442-96-x / dead soft Verlag (2. Auflage!)

Wolfram


Obsession SeitenanfangFeuer und EisParty Boy - eine KarriereSeitenende

Der Roman erzählt die Geschichte der Beziehung zweier junger, sehr unterschiedlicher Männer, die nach vielen Irrungen und Wirrungen zueinander gefunden haben und sich im Frankfurt des Jahres 2003 eine Existenz in Form einer Diskothek mit Kneipe und Sauna, dem "Addiction", im Schwulenbezirk in der Nähe der Konstablerwache eingerichtet haben.

Es verschwinden zu dieser Zeit immer wieder Stricher aus der Frankfurter Szene, die auf bestialische Weise ermordet werden, und zwei Todesfälle involvieren direkt das "Addiction". Als dann auch noch ein Freund von Shahin und Brix von dem mysteriösen Killer bedroht wird, werden die beiden aktiv und versuchen den Mörder zu stellen. Den besonderen Reiz bildet die Tatsache, dass eine geheimnisvolle, altägyptisch angehauchte Sekte, die "Kinder der Isis" mit den Morden in Verbindung gebracht wird. Diese Sekte hatte bereits zu einer früheren Zeit Shahin und Brix bedroht und dazu geführt, dass sie Berlin verließen, um sich in Frankfurt niederzulassen.

Die prickelnde, manchmal sehr deftige Erotik ist ein Hochgenuss für jeden Liebhaber des Yaoi-Slash-(male/male-Love)-Genres. Aber, der Autor hat es auch verstanden, eine wichtige "Moral-der-Geschicht" für unsere Zeit einzubetten: AIDS ist eine reale Gefahr, Kondome schützen euch und euren Partner, und man(n) kann sie problemlos in die Liebesspiele mit einbeziehen, ohne dass die Libido Schaden nimmt.

Die Erzählweise des Romans, Ich-Form abwechselnd kapitelweise aus der Sicht der beiden Hauptprotagonisten, erlaubt eine maximale Erhöhung der Spannung, auch durch die Verwendung der Gegenwart anstelle der zumeist üblichen Vergangenheitsform. Durch das Präsenz wird der Leser in die Gegenwart des Romans einbezogen, verwoben, integriert. Das Geschehen handelt jetzt, ist noch im Entstehen, noch nicht abgeschlossen und somit dem direkten Zugriff des Lesers noch nicht bereits entzogen, zumindest entsteht diese Illusion. Nur die wenigen Zwischenkapitel, die die Handlung um die Nebenfiguren betreffen, werden in der erzählenden dritten Person gehalten. Der feine leicht sarkastisch-ironische Unterton mancher Passagen erhöht noch den Lesegenuss, und der tiefe Einblick in die echte Frankfurter Szene des schwulen Lebens ist ein weiterer Höhepunkt dieses gelungenen erotischen und mystisch angehauchten Kriminalromans.

Wolfram Alster: Obsession
ISBN/Verlag: 3-934442-23-4 / dead soft Verlag

Paul


Party Boy - eine Karriere SeitenanfangObsessionKurz vor SchlussSeitenende

Eigentlich gehört dieses Buch so überhaupt nicht hierher... es ist ein Mainstream-Buch, und eigentlich so gar nicht dazu geeignet, Aufnahme zu finden in die Reihen der Buchempfehlungen in einem schwulen Magazin.

Eigentlich ist dieses Buch aber auch Bestandteil der Szene in einer seiner schillerndsten Facetten. "Er" nämlich ist jung, schön und schwul, der Mann auf den Pressefotos, der den Modezar Gianni Versace erschossen haben soll. Und die Schlagzeile in den Zeitungen offenbart dann gleich alles: "Homosexueller Callboy mit wechselnder Kundschaft infiziert sich mit Aids und bringt auf einem vernichtenden Rachefeldzug seine ehemaligen Kunden und Liebhaber um." Klingt auf den ersten Blick nach einem Reißer, der zu Lasten der Homosexuellen wieder einmal Umsätze einbringen soll. Auf den zweiten Blick entpuppt es sich - meiner Meinung nach viel zu viel zwischen den Zeilen - als ein perfekt recherchiertes Buch, das eine Lanze für Andrew Cunahan, den mutmaßlichen Mörder Versaces, bricht, und das es mit jedem Krimi aufnehmen kann. Nur ist es das nicht... es ist ein sensibles Psychogramm der Opfer und Täter. Dem Autor gelingt es zwar nur mäßig, die Zweifel an der Täterschaft Cunahans hervorstechen zu lassen - Mainstream, was hatte ich auch anderes erwartet... die böööösen Schwulen! - aber immerhin, sie sind vorhanden. Der relativ leicht lesbare, anspruchslose Stil tut ein weiteres hinzu, dieses Buch nach der ersten Lektüre im Schrank verschwinden zu lassen. Wer psychologische Gedankenspiele aus der Sicht einer Hete mag... bitte!

Georg M. Oswald: Party Boy - eine Karriere
ISBN/Verlag: 3-442-72840-1 / btb-Verlag

Wolfram


Kurz vor Schluss SeitenanfangParty Boy - eine KarriereEntführung nach AlhalonSeitenende

Gleich an seinem ersten Tag als Zivi wird Lars mit einer Leiche, einer herrischen Stationsleiterin und einem wahnsinnig gutaussehenden Pfleger konfrontiert. Das ist einfach des Guten zuviel. Doch es soll noch schlimmer kommen.

Der 19-jährige Lars hat sich zwar gegen den Dienst beim Bund entschieden. Doch kampferprobt ist er dennoch. Schließlich ist er bei einer Mutter aufgewachsen, die alles und jeden in Grund und Boden schimpfen kann. Ein vernünftiges Gespräch haben beide noch nie zustande gebracht. Das ist auch der Grund, weshalb sich Lars ein entlegenes Altersheim an der Nordsee für die Ableistung seines Zivildienstes ausgesucht hat - möglichst weit weg von zu Hause.

Doch kaum angekommen, gerät er bereits mit der despotischen Stationsschwester Maria aneinander. Schwester Margaret, die ihn einlernen soll, lässt ihn auch gleich spüren, dass der Dienst in der Geriatrie kein Zuckerschlecken ist. Einzige Lichtblicke in seiner neuen Heimat, die Lars eher als Gefängnis empfindet, sind der ruppige Zivi Jo und Elias – ein Pfleger, der nicht nur vom weiblichen Personal angehimmelt wird, sondern auch Lars Aufmerksamkeit erregt.

Doch schon am ersten Tag macht Lars die unliebsame Begegnung mit einer Leiche. Was vom Stationspersonal als völlig natürlich angesehen wird, weckt in Lars Zweifel und Neugier. Wurde die alte Dame nicht vielleicht sogar ermordet? Als eine zweite Dame stirbt, gibt Lars keine Ruhe. Und sein loses Mundwerk bringt ihn dabei selbst in Lebensgefahr.

„Kurz vor Schluss“ ist ein kurzweiliger Krimi, der vor allem dank der vergnüglichen Dialoge und zynischen Kommentare der Hauptfigur Lars bestens unterhält. Die recht bilderhafte Sprache von Piotrascke geht zwar manchmal ein wenig zu sehr mit ihm durch und auch in Sachen Dramatik merkt man es dem Roman ein wenig an, dass er das Erstlingswerk des jungen Autoren ist. Trotzdem taugt das Buch allemal als unterhaltsame Bettlektüre.

Frank Piotraschke: Kurz vor Schluss
Himmelstürmer Verlag
ISBN: 3-934825-28-1

Clint Metzger


Entführung nach Alhalon SeitenanfangKurz vor SchlussLa methodeSeitenende

Charlie Engmanns "Entführung nach Alhalon"ist mehr als ein Fantasyroman mit schwulen Protagonisten... es ist eine komplette Weltenbeschreibung der "Sandreiche", in denen die beiden Protagonisten, der junge Wüstennomade Shann und der Herrscher Iskander leben und lieben...

und letzteres tun sie ausgiebig und sehr wirklichkeitsgetreu. Doch, das Buch hat eine Handlung, und diese ist sehr fesselnd... sie ruft Emotionen beim Leser hervor, was beileibe nicht bei allen Büchern der Fall ist. Ich für meinen Teil finde das Intrigenspiel, das Teil der Handlung ist, sehr interessant und auch wenn der allgemeine Teil der Handlung möglicherweise mehr Raum hätte einnehmen können, ist mir die Mischung "dieser" Szenen und der Handlungen mehr als angenehm. Schließlich ist es ein erotischer Roman, und auch wenn Protagonisten und Handlung wesentlich mehr Handlungstiefe hätten haben können, ist das Buch jedoch sehr gelungen, finde ich. Deswegen ist es auch kein rein fantastischer Roman, wie eingangs erwähnt, aber es gelingt Charlotte Engmann meisterhaft, die Elemente des Fantastischen schmückend an den richtigen Stellen einzufügen, ohne den Leser damit zu überfordern.

Uneingeschränkt zu empfehlen.

Charlotte Engmann: Entführung nach Alhalon
ISBN: 3-934442-05-6

Wolfram


La methode SeitenanfangEntführung nach Alhalon2 men kissingSeitenende

"La methode", neuester Sproß der Anthologien aus dem Hause Dead Soft - Verlag, beinhaltet homo-erotische Kurzgeschichten junger Autorinnen und Autoren, vierundzwanzig Stück an der Zahl.

Liest man die Geschichten, so drängt sich einem recht bald der Verdacht auf, daß neben den bereits bekannten und arrivierten Autoren der schwulen Buchszene noch eher unbekannte Autoren und Autorinnen z.B. der Yaoi-Szene (meist asiatische Beschreibungen von Männerliebe) in dieser Anthologie eine Chance zur Veröffentlichung bekommen haben.

Simon Rhys Beck, einer der Top-Autoren des Dead Soft Verlags, hat es sich hier als Herausgeber der Anthologie nicht nehmen lassen, die Spreu vom Weizen zu trennen - und wenn man die enthaltenen Geschichten erst einmal gelesen hat, wird man sehen, daß ich recht habe... es sind meiner Meinung nach alle "Hot-Shots" der schwulen Buchszene mit einer Kurzgeschichte vertreten, vielleicht mal ausgenommen Thomas Mindt, citizen_b oder meine Wenigkeit, die ich persönlich ebenfalls dazu zählen würde.

Barbara Jung liefert mit ihrem Beitrag darüber hinaus ein lang ersehntes Stückchen Vorgeschichte zu ihrem Buch "Kreuzzug des Hasses". In "Meergrüne Augen" beschreibt sie das Kennen lernen der beiden Protagonisten Benny und Mirko, und noch ehe man es bemerkt, ist man bereits beim Lesen inmitten der Handlung, steht scheinbar neben den Handelnden und darf emotional mitfiebern. Die Mischung aus rationalen Beschreibungen und psychologisch fein gesetzten Andeutungen der Kritik an der schwulen Oberflächlichkeit macht auch diesen Beitrag von Barbara Jung zu einem Stückchen Lesespaß.

Jedoch auch die anderen Autoren und Autorinnen liefern ein Feuerwerk mit interessanten und kurzweiligen Geschichten mitten aus dem (schwulen) Leben.

La methode - Anthologie
Simon Rhys Beck (Hrsg.)
ISBN 3-934442-18-8
Dead Soft-Verlag

Wolfram


2 men kissing SeitenanfangLa methodeSchwarzlichtSeitenende

Das Buch "2 men kissing" ist eine in der Reihenfolge und Inhalt nicht ganz zufällige Zusammenstellung mehrerer Kurzgeschichten und Gedichte von Justin C. Skylark und Simon Rhys Beck.

Beide Autoren sind auch privat befreundet und wer in den Geschichten im Buch zwischen den Zeilen lesen kann, wird recht bald über den "roten Faden" stolpern, der sich durch alle Geschichten im Buch zieht. Untermalt durch die Zeichnungen von H. Stallion, dessen absolut treffender Zeichenstil und seine künstlerische Detailtreue manchmal ein bisschen Realismus vermissen lassen - schließlich sind nicht alle Männer so makellos schön wie auf den Zeichnungen -, schafft Stallion es jedoch bei jedem Bild aufs Neue, die erotische Atmosphäre passend zur Kurzgeschichte zu schaffen. Abgestimmt mit einem Gedicht von Andreas Diesel wird "2 men kissing" zu einem angenehmen Lesespaß, wenn man einen Hang zu den gewohnt nachdenklichen Geschichten Skylarks oder zu den munteren, leichten Begebenheiten, wie Simon Rhys Beck sie beschreibt, hat.

Wenngleich ein Teil der Geschichten eher fantastisch sind, so scheinen gerade diese "Ausreißer" durch ihre erotische Ausstrahlung der Wirklichkeit umso näher.

2 men kissing - Anthologie
Simon Rhys Beck & Justin C. Skylark
ISBN 3-934442-14-5
Dead Soft-Verlag

Wolfram


Schwarzlicht 2 men kissingSeitenende

schwarzlicht01.jpg (5536 Byte)
Markus Dullins erster Roman, knüpft in beinahe wundersam zu nennender Weise an Stil und Aufmachung der Kurzgeschichten an, die Dullin bislang in Anthologien veröffentlichte.

Auch hier gibt es eine viel zu offensichtliche Handlung, dieses Mal in einer packenden Krimistory verpackt: Ein Hetero, Kai, der einen homophoben Proleten stilisiert, tötet seinen Schwager, Andreas, einen scheinbar harmlosen Schwulen. Soweit, so gut, wären da nicht all die furchtbar geschockten Freunde von Andreas, inklusive seines Lebenspartners, die in ihrer Personifizierung ausgerechnet all die Gruppen der schwulen Szene verkörpern, die im großen und ganzen in der Welt der Schwulen existieren, und die in ihren Klischees, ihrer Intoleranz und ihren gegenseitigen Zu- und Abneigungen fast perfekt aufeinander reagieren: Armin, der Skinhead, der sich später als Deutscher jüdischer Abstammung entpuppt, Maik, als Schwarzer der perfekte Exot und Sexbombe par excellance - zumindest in den Augen mancher anderer -, Josef, Alkoholiker und Tucke, Peter, Weichling und Lebenspartner von Martin, Kerl, Landei, sachlich, ruhig, meine eigentliche Lieblingsfigur in der Geschichte. Ralf, Szenegänger, Szenegastronom, Partner von Andreas, tot, Dealer und Gastronom und Vera, Schwester von Andreas und Frau des homophoben Kai passen wie die Faust aufs Auge in diese Geschichte.

Markus Dullin gelingt es hervorragend, die unterschiedlichen Ansichten aller Beteiligten in Dialoge zu verpacken, zieht dann den Spannungsbogen nach oben bis zu einem Punkt, den er in meinen Augen falsch anpackt: Er treibt die Spannung ins Unermeßliche, läßt den Leser augenscheinlich mit auf die Jagd nach dem Täter gehen, zerreißt dann aber den Spannungsfaden auf absolut unerwartete und allzu plötzliche, abrupte Art und Weise, indem er dafür sorgt, daß einerseits die Gruppe selbst, und andererseits die Umstände einen Täter präsentieren, an den keiner gedacht hat. Als dies aber geschieht, stirbt der nächste, der vermeintliche Täter, und die Szene tut dies, was sie - leider - immer getan hat: Sie opfert einen Angehörigen einer Randgruppe zugunsten ihrer Homogenität, ihrer eigenen Vorstellungen, Wünsche und Idealen, wiederum personifiziert durch die Übrigbleibenden.

Ich persönlich halte Dullins Roman für lesenswert, wenn man denn dann auch das "zwischen den Zeilen lesbare" verstehen möchte und kann.

Markus Dullin: Schwarzlicht
Querverlag

Wolfram


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