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| Acapulco 365 Tage Fiesta |
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Acapulco - 365 Tage Fiesta
Nahe der Altstadt entladen Fischer den Fang der Nacht, und braune Pelikane balgen um die Abfälle. Noch liegt Dunst über der Bucht, und die Sonne bringt sie zum glitzern.
Vom „Ort des Schilfrohrs“, wie die Azteken ihre Siedlung nannten, ist nichts mehr übriggeblieben. Die Spanier gründeten die Stadt 1550 um von hier aus den Handel mit dem Fernen Osten zu organisieren. Um die Schiffe vor Piraten zu schützen wurde das Fort „San Diego“ erbaut. Die dicken Mauern haben die Jahre überdauert, und sind auch das Einzige, was aus spanischer Zeit übriggeblieben ist. Aber Acapulco hat auch andere Pfunde, mit denen es wuchern kann.
Die Hauptattraktion ist der ewig blaue Himmel, warmes Wasser und Sonnenschein. Wer hierher kommt, will einfach nur ausspannen und sich amüsieren.
So richtig bekannt als Badeort wurde Acapulco, als die erste Welle Amerikaner über die Stadt hinwegschwappte. Hollywood begann sich für die Stadt zu interessieren. Es dauerte nicht lange, da reisten Stars und Sternchen mit Gefolge an. Acapulco wurde zum Ort der Reichen und Schönen. Man baute sich Villen oder belegte ganze Hoteletagen. Im Hotel „Los Flamingos“, hoch über dem Meer, feierten die Happy-Few Feste und ausgelassene Parties. Heute ist das Hotel ein Punkt im Besichtigungsprogramm der Touristenbusse. Die große Zeit des „Los Flamingo“ gehört der Vergangenheit an – was blieb ist die Erinnerung an glanzvolle Zeiten. Nach und nach blieben die Hollywood-Größen weg. Das Alter forderte seine Tribut, die Reihen lichteten sich.
Die Queen des Pazifiks, wie Acapulco genannt wurde, fiel in eine Siesta und bekam Runzeln. Der Glitter wurde stumpf und die Pumps lagen zertanzt in der Ecke.
Aber Totgesagte leben lange.
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Man raffte sich zu einer Verjüngungskur auf: die Kanalisation wurde saniert, die Straßen ausgebessert, die Strände gereinigt. Ein Yachthafen, Golf- und Tennisplätze gehörten zum Lifting. |
Heute ist Acapulco, trotz der Konkurrenz von Cancun, wieder der Klassiker unter Mexikos Badeorten und Ziel von Millionen Touristen aus aller Welt. Es sind aber diesmal mehr junge Leute, die Acapulco für sich entdeckt haben. In Jahrzehnten darauf gedrillt zu gefallen, hat man sich schnell auf die neue Situation eingestellt.
Wir fahren die mehrspurige Küstenstraße, Avenida Costera, entland. Wie Perlen auf der Schnur reihen sich die Strände aneinander: Playa Hermos, Playa Hormito und der wichtigste, Playa Condesa. Der schwule Teil liegt zwischen dem Hotel Condesa und Beto´s Restaurant. Es ist der Laufsteg der Schönen und Schaurigen. Man sitzt unter Palmdächern und sieht sich die Show an. Wer schon länger da - und braungebrannt ist, tritt in knapper Badehose , die mehr betont als bedeckt, auf. Muskeln und Waschbrettbauch sind das Markenzeichen. Dann gibt die Neuankömmlinge. Der Hautton umfasst die ganze Palette von weiß bis tiefrot. Und es gibt den Typ, bei dem man nicht sicher ist, hat er sich verlaufen oder kommt er aus dem katholischen Teil der USA. Zeltartige Badehose, die am Bauchnabel beginnt und kurz oberhalb des Knies endet. Das Miller-Bier-Bäuchlein eingezogen, huscht er hin und her.
Aber alle sind gut drauf. Bier und Margaritas machen die Runde. Man liegt in der Sonne, döst vor sich hin oder springt in die Brandung. Außer Männerparade, gibt es wie an allen anderen Stränden auch, jede Menge Unterhaltung. Auf meterlanger Plastikbanane, welch Symbolik, lässt man sich durch die Wellen ziehen und fällt dann kreischend ins Wasser. Immer elegant wirkt Wasserski.
Coole Typen fahren geräuschvoll mit dem Aquabob den Strand auf und ab. Wie bunte Tropenvögel hängen einige am Fallschirm hoch über dem Strand, die Aussicht auf Stadt und Bucht genießend, bis sie butterweich wieder im Sand abgesetzt werden. Wer nicht mehr auf die Nacht warten kann oder will, macht sich auf den Weg zu den Rocks. Sie liegen neben dem Condesa Strand und sind eher ein Fall für Kletterbegabte.
Hier kauft man nicht die Katze im Sack, sondern Touristen und Einheimische zeigen, was sie zu bieten haben. Es ist alles erlaubt und wird auch ausprobiert, inklusive der Griff nach Uhr und Halskette. Etwas vorsichtig sollte man schon sein und nicht wie ein geschmückter Weihnachtsbaum herumlaufen.
Langsam geht die Sonne unter. Die Luft flimmert nicht mehr, eine kühle Brise macht unternehmungslustig. Der Abend taucht die Bucht in ein Lichtermeer. Die Queen zieht ihr Glitzerkleid an. Leuchtreklamen flackern auf, locken Besucher in Kneipen, Restaurants und Cafés. Auf der Costera fahren die Autos Stoßstange an Stoßstange und auf den Gehwegen drängen sich die Touristen. Wer von der Anmache am Strand noch nicht genug hat, bummelt jetzt langsam Richtung Kathedrale und Zocalo. Hier treffen sich die jungen Männer zum Flanieren. Man setzt sich in eines der Cafés und wartet ab. Auch der nahegelegene Baseballplatz ist interessant, da es hier alle Arten von „Ballspielen“ gibt.
Der Abend dient der Vorbereitung auf die Nacht. Sie ist die große Zeit der Stadt. Es wird gegessen, getanzt und getrunken. Das Gebot der Stunde heißt – amüsier dich! Ständig werden neue Restaurants und Discotheken eröffnet. Was gestern „in“ war, ist heute geschlossen und öffnet morgen unter neuem Namen und in neuer Dekoration. Die Discos zählen zu den schicksten , die Auswahl ist riesig. Nur eins sollte man bedenken, die Nacht beginnt spät. Kommt man gegen 23 Uhr, kann es einem passieren, mit einem gelangweilten Kellner allein am Tresen zu hängen. Manche Discos öffnen erst am frühen Morgen. Hier trudelt man ein, wenn man sich in verschiedenen anderen schon etwas müdegetanzt hat.
Aber jede Nacht geht einmal zu Ende. Ein Bummel durch die Altstadt klärt den Kopf. Vorbei an Tortilla-Backstuben, kleine Bars und Geschäften spazieren wir nach La Quebrada. In den Gassen spielen Kinder und fliegende Händler versuchen ihre Waren loszuschlagen. Das mondäne Acapulco ist weit weg.
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Wir sind auf dem Weg zu „der“ Attraktion von Acapulco: den Todesspringern. Wenn man zu Hause abreist, hat man bereits das Bild von ihnen im Kopf. Auf Prospekten und Plakaten machen sie Werbung für Mexiko und Acapulco. Man trifft sich im Hotel „El Mirador“. |
Die Vorstellung beginnt zu festgesetzten Zeiten und rechtzeitiges Erscheinen ist nicht schlecht, denn die besten Plätze sind schnell weg. Man sitzt in einer Art Amphit-Theater und überbrückt die Wartezeit mit Snacks und Cocktails.
Vor der Bucht ankern jetzt auch immer mehr Boote mit Touristen, die sich das Schauspiel vom Wasser aus ansehen wollen. Dann erscheinen die Springer, beklatscht wie die Gladiatoren im Alten Rom. Einige der Springer, die noch nicht ganz fit sind, oder ist es um die Spannung zu steigern?, springen von niedrigeren Felsen. Der Höhepunkt ist dann der Sprung von der höchsten Stelle.
Die Felsspitze ist 35 Meter hoch und die Bucht wirkt wie ein schmaler Spalt. Vor dem Absprung gibt es natürlich ein Zeremoniell. Vor einem kleinen Altar nahe der Absprungstelle wir gebetet und sich bekreuzigt. Dann konzentriert man sich ganz auf den Sprung. Es kommt auf die Sekunde an, denn der Springer muss auf die Brandung warten und genau im richtigen Moment eintauchen. Nur so ist sicher, dass genug Wasser in der kleinen Bucht ist. Springt er zu früh oder zu spät, dann ....
| Die Springer werden mit wohlverdientem Beifall bedacht. Bevor man das Hotel verlässt sind die teils recht hübschen Typen schon nahe dem Ausgang. Dort bilden sie ein Spalier, fragen ob die Show gefallen hat und erwarten natürlich ein ordentliches Trinkgeld. | ![]() |
Anschließend stürzt man sich wieder ins Getümmel. Boutiquen warten auf Kundschaft, Restaurants auf Gäste und ewig lockt der Strand mit Sand und Brandung.
Bericht: Mike Dojel
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