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Regengott
und
Federschlange

Yukatán
und das Erbe der Maya Teil III

In dieser Ausgabe könnt ihn nun den dritten Teil unseres Mexiko-Berichtes "Yukatán und das Erbe der Maya" lesen. Falls ihr den Anfang verpaßt habt, könnt ihr hier zum ersten und zweiten Teil kommen.
>> Teil I  >> Teil II


 

Am nächsten Tag bringt uns die Fähre in knapp einer Stunde von Puerto del Carmen nach San Miguel auf Cozumel, dem „ Land der Schwalben“, wie die Maya die Insel nannten. Hier leisteten sie erbitterten Widerstand, bis der Spanier Cortez  sie besiegte. Er plante Yukatán von Cozumel aus zu erobern. Als Cortez weiter zog, brach eine Pockenepidemie aus, die derartig wütete, daß die Insel bald entvölkert war. Diese Einsamkeit war ein Geschenk des Himmels für Piraten, die Cozumel zu ihrem Stützpunkt machten, und ihre Raubzüge planten und ausführten.

Die letzte Invasion verlief dann friedlich. Statt mit Kanonen und Musketen erobern jährlich taufende Touristen mit Sonnenöl und Strandlaken die Insel. Verschlafen lag Cozumel in der Mittagshitze, bis Jacques Cousteau aller Welt verkündete, hier eines der besten Tauchreviere der Welt gefunden zu haben. Mit einem Schlag stand die Insel im Rampenlicht und begeisterte Sporttaucher erschienen in Scharen. Nicht ohne Grund wurden die Gewässer ein Tauchparadies, denn das Wasser ist wunderbar klar und die Korallenriffe sind sehr fischreich. Viele Taucher kommen Jahr für Jahr wieder – Cozumel entwickelt sich zu einem Gewohnheitsparadies. Aber man muß nicht unbedingt tauchen. Es genügen schon Schnorchel und Flossen, um das Gefühl zu haben, in einem in allen Blautönen schillerndem Aquarium zu schwimmen.

Nach einigen Tagen des Nichtstuns, machen wir uns auf, die Insel zu erkunden. Die Hauptstadt der Insel ist San Miguel. Der Ort ist ziemlich klein, aber groß im Abzocken der meist – amerikanischen Touristen. Witzig ist die Angewohnheit, mit dem Preis ohne zu handeln herunterzugehen, sobald man sich auf spanisch erkundigt. Es kann noch so holprig sein, egal, denn die Amerikaner sprechen gar nichts außer englisch und zahlen – voll.

Außer einem kleinen Museum mit Fundstücken aus der Geschichte, bietet die Stadt wenig an Sehenswürdigkeiten. Das Gros der Touristen ist ja auch an shopping und baden interessiert. Und so wird ihnen auch ein Mexiko vorgegaukelt, wie man es sich in Oregon oder Indiana vorstellt. Auf der Plaza schleppen Kellner unter Applaus riesige ,verwässerte Margeritas an die Tische. Mariachi-Kapellen drehen ihre Runden, spielen auf Wunsch die Lieblingslieder der "girls" und „boys“aus dem kalten Norden. Es ist alles "just great and marvelous“! Rund um die Plaza und entlang der Hauptstraße reiht sich Geschäft an Geschäft. Cozumel ist zollfrei und in den Schaufenstern liegen die Schnäppchen: Juwelen, Parfum, Touristenkitsch - als Souvenir bezeichnet. Alles wartet auf Käufer, und es dauert nicht lange, bis die grünen Scheine den Besitzer wechseln.

Die Insel ist zwar ziemlich klein, hat aber den Vorteil, daß man sie bequem mit dem Auto erkunden kann. Von San Miguel fahren wir nach Süden zum Playa San Francisco. Die Straße ist gesäumt von Hotels, die alle nicht besonders preisgünstig sind. Hier, auf der Westseite der Insel, sind die Strände weiß und goldgelb. Flach geht der feine Sand ins postkartenblaue und türkisfarbene Wasser über. Playa San Francisco bietet alle Annehmlichkeiten: kleine Geschäfte, Restaurant, Duschen. Wer’s etwas ruhiger möchte, fährt ein kleines Stück weiter zum Playa Palancar. Hier, an der Westküste, sind auch die Tauchschulen. Die Boote fahren zu den Korallenriffen, die aufgereiht vor der Küste liegen. Je nach Taucherfahrung kann man zu seinem Riff fahren. Nördlich von San Miguel liegt Playa San Juan. Er wird als der schönste Strand bezeichnet, und jeder will mal dort gewesen sein. Dementsprechend voll ist es auch. Aber welcher deutsche Badesee ist es im Sommer nicht

Am nächsten Tag fahren wir auf der Cross-Island-Road Richtung Ostküste. Sobald man die Stadt verlassen hat, gibt es links und rechts nur Buschland. Dornengestrüpp macht es undurchdringlich. Ab und zu blitzt ein Tümpel in der Sonne auf, und angeblich sollen sich Alligatoren darin aufhalten. Gesehen haben wir aber keine – wir legten auch keine großen Wert auf eine Begegnung. Ungefähr auf halber Strecke zweigt die Nebenstraße nach San Gervasio ab. Hier ist aus Maya-Tagen der Tempel der Ix-Chel zu besichtigen. Der Ort war Pilgerziel der Frauen aus dem gesamten Siedlungsgebiet der Maya. Man kam hierher, denn die Fruchtbarkeitsgöttin sollte für Kindersegen sorgen. Groß ist die Anlage nicht. Nach einem Spaziergang auf der restaurierten Mayastraße und durch ein Stadttor, fahren wir weiter.

Die Ostküste ist das totale Gegenstück zur Westseite. Es wechseln sich Sand- mit Felsstränden ab. Häufig weht ein starker Wind und eine kräftige Brandung rollt auf den Strand zu. Die Strände sind zwar mit Namen auf der Karte verzeichnet, aber man muß sie suchen. Kein, und wenn auch noch so kleines Hotel, bietet einen Anhaltspunkt. Es gibt an dieser Küste keine Hotels. Vereinzelt gibt es kleine Restaurants, wo man unter Palmen im Schatten sitzt. Ist einmal ein Kreuzfahrtschiff im Hafen, taucht auch schon mal ein Reisebus auf. Für kurze Zeit wird es dann lebendig. Aber nach ein bis zwei Stunden, ist der Spuk vorbei. Dann gibt es wieder nur – Leere. Das hat aber auch einen Nachteil, denn es gibt stellenweise gefährliche Unterwasserströmungen. Man sollte beim Schwimmen schon vorsichtig sein und sich nicht allzu weit hinauswagen.

Auf dem Rückweg nach San Miguel machen wir noch einen Stop in Chankanaab. Die Lagune hat glasklares Wasser und ist durch unterirdische Kanäle mit dem Meer verbunden. Vom Ufer kann man die bunten Fische beobachten. Heute Nachmittag ist die Lagune gut besucht, in Scharen tummeln sich Schnorchler im Wasser. Man sieht nur zappelnde Arme und Beine. Der Anblick erinnert an einen Forellenteich zur Fütterungszeit. Was die sehen, ist schleierhaft – Fische bestimmt nicht! Und menschliche Haut in allen Stadien der Verbrennung, ist am Strand besser zu sehen. Aber sehr schön ist der botanische Garten. Gepflegte Wege schlängeln sich durch das Dickicht. Was in diesem subtropischen Klima so wächst, ist ganz interessant zu sehen. In den Bäumen zwitschern die Vögel, im Unterholz rascheln fette Leguane. Im Schatten stehen Bänke, die das Ausruhen ganz angenehm machen. Hier läßt es sich leben.

Unser letzter Abend auf Cozumel. Zurück in San Miguel bummeln wir noch einmal durch den Ort. Eher beschaulich präsentiert sich das Nachtleben: Hardrock-Café, wo gibt es keines, und einige Discos. Dafür ist die Auswahl an Restaurants um so größer. Es gibt sie von preiswert bis edel und teuer – von französisch über italienisch bis langweilig international .Aber mexikanisch mit Ceviche, Guacamole und fangfrischem Fisch – das ist es!

Wer Mexiko wirklich nicht sehen will, obwohl im Land, sollte sich Cancun nicht entgehen lassen. Der Ort mit der vorgelagerten Insel wurde vor gut 25 Jahren von amerikanischen Tourismus-Managern entdeckt. Sie schalteten ihre Computer an und spielten Schöpfer. Heraus kam eine reine Retortenstadt mit allem, was ein Urlauberherz höher schlagen lassen sollte. Eine perfekte Maschinerie, abgestimmt auf amerikanische Urlaubsbedürfnisse. Am Boulevard Kukulkán reiht sich auf 20 km eine Bettenburg an die nächste. Unterbrochen von shopping-malls, Restaurants und Diskotheken. Highlights der Unterhaltung sind happy-hour, Miss-Bikini-Wahlen und sogenannte Mexiko-Nächte. Neben Dinner-Shows gibt es für Romantiker noch Dinner-Cruises. Essend und trinkend schippert man auf dem Wasser herum, unterhalten von ausgelassenen Mitreisenden.

Mexiko ist hier nur Kulisse - die Mexikaner Statisten in der Rolle der Kellner und Zimmermädchen. Mit seinem Flughafen hat Cancun direkten Anschluß an Nordamerika und Europa. Wie Heuschrecken fallen die Kurzurlauber aus den Großstädten ein , wollen nur eins: fun, fun, fun! Und das wird reichlich geboten.


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Bericht: Mike