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Neu bei uns: Die Kurzgeschichte "BIS DASS DIE MUTTER UNS SCHEIDET" in zwei Teilen von Michael Fecher.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die schwierige Beziehung zwischen dem jungen Showmaster Henrik Vandyk und Markus, dem Sohn seiner intoleranten Chefin...
- Teil 1 -
BIS DASS DIE MUTTER UNS SCHEIDET
- Manchmal ist die Wahrheit hart und FALSCH!
Es war ein Montag-Morgen. Der Wecker ertönte. Es war 7 Uhr. Markus rekelte sich aus dem Schlaf und streckte sich. Ein lautes Seufzen ging durch den Raum. Er öffnete die Augen, schaltete den Wecker unsanft aus und drehte sich noch einmal auf die linke Seite um, wo er sich an seinen Schatz kuschelte. Er legte seinen rechten Arm um dessen Oberkörper und drückte ihn an sich. Den Kopf lege er sanft auf dessen Rücken. Mit einem zufriedenen Lächeln drückte er sich noch fester an Henrik, seinem Allerliebsten.
Kurze Zeit verharrten sie so. Nach wenigen Minuten dieses harmonischen Bildes von zwei, nur mit einem Hot Pan bekleideten, Jungs, die eng aneinandergekuschelt und zufrieden dalagen, drehte sich Henrik langsam um und setzte sich auf. Markus löste seine klammernden Hände von ihm und blickte verschlafen schräg nach oben in Henriks Gesicht. Der strich ihm über den Wuschelkopf und küßte ihn dann sanft auf die Lippen. Er lächelte und sagte: "Hat nicht eben dein Wecker geklingelt?" Markus nickte nur stumm. Henrik schaute auf den Wecker: "Nun, Schatz, es ist kurz nach 7 Uhr. Ich glaub die Schule ruft, hm?" Markus klammerte sich mit beiden Händen um den Bauch des sitzenden Henrik und kuschelte sich fest in ihn. Henrik schüttelte neckisch grinsend den Kopf und schaute auf seinen Schatz.
Er tippte ihm ganz leicht auf die Schulter: "Na komm, du Schlafmütze, hm?! Komm mit mir ins Bad. Oder willst du mich alleine duschen lassen?" Markus löste seine Umarmung und schaute wieder zu Henrik auf. Energisch schüttelte er seinen Kopf. Er legte die Arme um den Hals seines Liebsten und stieg langsam aber sicher rückwärts aus dem warmen Bett. Er zog Henrik sanft mit sich. Dieser stellte sich jetzt auch. Markus verfestigte jetzt wieder seine Umarmung und preßte ihm einen liebevollen Kuß auf die Lippen. Henrik legte seine Arme jetzt auch fester um Markus. Mit den Fingern streichelte er sanft über dessen Schultern. Markus löste sich langsam von den Lippen seines Freundes. Verträumt blickend entwichen ihm die ersten Worte des Morgens, er war eben ein Morgenmuffel: "Weißt du, daß ich dich ganz doll liebe, mein Schatz?" Henrik lächelte glücklich und nickte zufrieden: "Ja, das weiß ich. Und ich liebe dich auch!" Auch über Markus' Gesicht strahlte jetzt. Er gab Henrik noch einen intensiven Kuß, er konnte sich fast nicht mehr von ihm lösen. Doch dann zog er ich zurück, ein lautes Schmatzen ertönte. Markus gab seinem Freund einen Klaps auf den Hintern und drückte ihn sanft Richtung Badezimmer: "Dann gehen wir mal duschen, hm?!" Arm in Arm gingen die beiden nun auf die Badezimmer zu.
Seit 2 Monaten und 2 Tagen waren sie nun zusammen. Vom ersten Tag an war es eine harmonische Liebe. Es gab nur selten Streit, aber das gehört ja sicher zu jeder Beziehung. Es war eigentlich Liebe auf en ersten Blick. Kennen gelernt haben sich die beiden auf der Eröffnungsgala von der neuen Vorabendshow von Henrik. Henrik Vandyk, ja, er war Showmaster. Nach dem Abitur hatte er sich eigentlich entschieden zu studieren. Doch wie der Zufall es so wollte, wurde er von einer Agentur in einer Diskothek entdeckt. Henrik war damals etwas verdutzt, als er plötzlich angesprochen und gefragt wurde, ob er denn schon mal dran gedacht hatte, zum Fernsehen zu gehen. Henrik war total baff. Er hätte sicher mit allem gerechnet, aber damit? Nun, das war vor zwei Jahren. Damals war er 20 Jahre jung. Er ist sicher nicht der
schlechtaussehendste Mann, sonst wäre er wohl kaum angesprochen worden. Henrik war etwa 1,85 m groß und schlank. Er war leicht gebräunt und hatte glatte Haut. Seine Muskeln waren gut proportioniert, nicht zuviel und nicht zuwenig. Er hatte einen verträumten Blick. Was einem zuerst auffällt, sind seine tiefbraunen Augen, die zum Verlieben aussehen. Seine braunen Haare hatte er zum Mittelscheitel gekämmt. Er war ein Mann, auf den die Blicke einfach fallen, ein wahrer Traummann.
Nun war er damals vollkommen unentschlossen gewesen. Sollte er zu dieser Agentur gehen oder doch nicht? Er hatte sich ständig gefragt, ob er das überhaupt bringen konnte. Die Vorstellung war für ihn einerseits superpositiv gewesen, und sein Selbstbewußtsein war gestärkt worden, andererseits hatte er Angst zu versagen. Eine Freundin, die er mit seinem Gedankenkonflikt mit einbezogen hatte und nach ihrer Meinung fragte, hatte damals nur gemeint, ob er spinnen würde, er solle auf jeden Fall hingehen. Was hatte er schon zu verlieren gehabt? Eigentlich hatte sie ja recht gehabt. Henrik hatte dann sein Selbstbewußtsein ausgepackt, die Agentur angerufen und einen Termin vereinbart. Dann war eigentlich alles recht schnell gegangen. Damals hatte er sich zunächst mal in einer Soap profilieren sollen. Die Agentur hatte ihm eine Hauptrolle vermittelt. So ist er wie die Jungfrau zum Kinde zum Fernsehen gekommen und er hatte es eigentlich gar nicht verstehen können. Lange Zeit hatte er sein Glück gar nicht fassen können: Er war im Fernsehen, ja, er hatte es geschafft, für ihn hatte sich etwas erfüllt, wovon jeder Jugendliche mal träumt.
Knapp anderthalb Jahre war er bei der Soap geblieben, dann hatte er von dem Sender ein Showkonzept vorgeschlagen bekommen. Henrik hatte wieder gezögert, aber dann hatte er gewußt, daß er eigentlich genug Power hatte, um auch dies zu schaffen. Er hatte sich damals noch ein wenig Bedenkzeit geben lassen, aber dann doch ziemlich schnell zugesagt. Etwa 3 Monate später ist er aus dem Drehbuch rausgeschrieben worden, so daß er sich ganz der neuen Show widmen hatte können.
Es war eine Show für Jugendliche: Talk, Reportage, Musikclips, eigentlich alles was die Teenies interessierte und er war mittendrin. Knapp zweieinhalb Monate hatte die Vorbereitung zur Show gedauert.
Kurz vor Start der neuen Show hatte er noch ein Gespräch mit der Chefin des Unterhaltungssektorsgehabt . Sie war eine zähe und erfolgsorientierte Frau. Sie war streng, aber gerecht. Sie hatte auch einen Sohn, nämlich Markus. Nun, bei dem Gespräch sollte es hauptsächlich um die Motivation von Henrik gehen, immerhin würde er einen ganz neuen Sektor beschreiten, und das noch als Laie, der nie Showbusiness gelernt hatte. Henrik hatte das Büro dieser Frau betreten, von der die Kollegen nie etwas gutes erzählt hatten. Er hatte sie immer nur aus der Ferne gesehen, irgendwo auf den ewigen Studiogängen, niemals ein wirkliches Wort mit ihr gewechselt. Die Frau war ihm fremd gewesen und mit ihr würde er sicher nie grün werden. Nun gut, aber sie war seine Vorgesetzte. Mit Eisesmiene hatte sie von ihrem Schreibtisch auf ihren Jung-Showmaster geschaut. Sie hatte mit der rechten Hand auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch gedeutet, ohne mit dem Blick von ihm zu weichen. Dieser Blick war so starr gewesen, daß Henrik leicht zusammengezuckt war. Er war auf sie zu gegangen und hatte sie begrüßt - keine Reaktion- dann hatte er sich gesetzt. Danach hatte sie nach wenigen Sekunden des Schweigens mit dem Gespräch begonnen:
"Nun, Guten Tag, Herr Vandyk!"
"Guten Tag, Frau Liebermann."
"Sie wissen, warum ich Sie herbestellt habe?"
"Nun, wegen meiner neuen Show?"
"Gewissermaßen. Nun Sie wissen vielleicht, daß ich sicher nicht begeistert bin, daß Sie diese Show übernehmen. Aber mein Kollege vom Showprogramm weicht nicht ab von Ihnen und lobt Sie in den höchsten Tönen."
"Danke."
"Tja, allein Ihre Vergangenheit und Lebensweise ..."
"Was meinen Sie?"
"Unterbrechen Sie mich nicht! Sie wissen genau, was ich meine!"
Zögernd sagte Henrik: "Nein!"
"Ach? Denken Sie, wir vom TV schlafen. Denken Sie, daß wir uns nicht mit den Lebensweisen unserer Showmaster auseinandersetzen?"
"Aber wie? Warum?"
"Denken Sie doch mal an die Presse! An dieser Show hängt sehr viel. Ihre Vergangenheit und Ihr jetziger Standard sind mir eigentlich ein Dorn im Auge!"
Etwas beängstigt hatte Henrik gesagt: "Was meinen Sie, Frau Liebermann? Welcher Standard"
"Um dieses Gespräch nicht in die Länge zu ziehen: Es stört mich, daß Sie schwul sind und daß Sie vor noch 3 Jahren als Callboy arbeiteten."
"Na und?"
"Na und? Was meinen Sie, wenn die Presse das rauskriegt?"
"Wie sollte Sie das rauskriegen?"
"Wie naiv sind Sie eigentlich. Hören Sie, ich hab es auch rausgefunden!"
"Und jetzt?"
"Jetzt sage ich Ihnen, was für Sie in Zukunft gilt!"
"Und das wäre?"
"Daß Sie Callboy waren, können wir nicht verschleiern. Damit dürfen wir uns auseinandersetzen, wenn die Presse dahinterkommt. Nun, mir wird was einfallen, mir ist immer was eingefallen! Und für Ihre Homosexualität gilt: Ab sofort werden Sie diese Neigungen keineswegs mehr zeigen!"
"Aber, wie ..."
"Nichts aber! Haben Sie einen Freund?"
"Nein!"
"Gut. Hören Sie, Sie sind ein Mädchenschwarm und wenn das rauskommt fällt die Show und nicht nur das, auch Sie. Für so manches Showkonzept muß man eben mal auf was verzichten!"
"Aber auf die Liebe ..."
"Hörn Sie, ich verzichte für diesen Job auf mein Privatleben, das ist mein Opfer. Ich arbeite hier 12-15 Stunden am Tag."
"Ich weiß nicht!"
"Wie wichtig ist Ihnen Ihre Karriere?"
Henrik war den Tränen nahe gewesen. Er war so frohgewesen mit dem, was ihm hier in den Schoß gefallen war. Konnte er auf Liebe verzichten? Er wollte darüber aber erst mal nicht nachdenken, so nickte er stumm und sagte: "Ja, ja ... ich werde auf Sie hören. Ich will diese Show. Ich bin froh hier zu sein."
Frau Lieberrmann hatte streng gemeint: "Jetzt fangen Sie bloß nicht an zu heulen, mein Gott!"
Sie hatte sich zurückgelehnt und herrisch auf Henrik geschaut, dann hatte Sie gelächelt: "Tja, Herr Vandyk, that's Showbusiness! Gehen Sie jetzt wieder an Ihre Arbeit! Ich hoffe wir haben uns verstanden! Auf Wiedersehen!"
Henrik war nach draußen getrottet.
Endlich war der Tag der Eröffnungsgala gekommen. Henrik Stimmung hatte sich längst wieder stabilisiert gehabt. Der Ablauf des Abends war etwa so gewesen: erst würde der Programmdirektor das neue Konzept der Presse vorstellen, dann sollte sich Henrik präsentieren und das Publikum etwa 15 Minuten unterhalten. Darauf sollte das Buffet eröffnet werden. Die erste Show würde dann eine Woche später live über den Bildschirm flimmern.
Auf dieser Gala war Henrik erstmals wieder den Weg von Frau Liebermann gekreuzt. An diesem Tag hatte Sie Ihren Sohn Markus an Ihrer Seite gehabt. Scheinbar hatte Sie versucht, Fernsehen und Privatleben etwas zu kombinieren. Markus war Henrik gleich aufgefallen. Er war ein niedlicher Boy. Er hatte schöne hellblaue Augen und einen wirren Wuschelkopf. Frau Liebermann und er waren auf Henrik zugekommen. An diesem Tag war sie so anders gewesen. Sie hatte gelächelt und war freundlich gewesen, aber das hatte wohl eher an der Anwesenheit der Presse gelegen. Sie hatte Henrik die Hand gereicht und ihn begrüßt. Henrik hatte etwas verdutzt geschaut. Dann hatte Sie ihm ihren Sohn vorgestellt. Markus hatte Henrik die Hand gereicht und ein breites Lächeln gezeigt. Hier waren die großen weißen Zähne aufgefallen. Henrik hatte zurückgelächelt. Die beiden waren in diesem Begrüßungsakt verharrt. Frau Liebrmann hatte nun kurz einen grimmigen Blick in Richtung Henrik losgelassen und leise mit einem
bizarren Unterton gesagt: "Haben Sie sich jetzt nicht genug die Hand geschüttelt?" Henrik war zurückgezuckt und hatte wieder ernst geschaut. Im Hintergrund hatte der Programmdirektor die Presse begrüßt und mit seiner Rede begonnen. Frau Liebermann hatte den Kopf geschüttelt. Sie hatte die beiden stehen lassen und war Richtung Bühne getappt. Markus und Henrik hatten ihr noch kurz nachgeschaut, dann hatten Sie sich wieder einander zugewandt. Henrik hatte ein Gespräch begonnen:
"Nun, du bist also der Sohn?"
Markus hatte wieder gelächelt: "Ja, genau, der bin ich!"
Eigentlich war Henrik vollkommen sprachlos gewesen, aber er hatte trotzdem versucht, ein Gespräch zu etablieren: "Aha, und .. äh, was, was machst du hier?"
"Naja, ich, ich wollte einfach mitkommen. Ich kenne dich aus deiner Soap."
Henrik hatte wieder gelächelt.
"Ich bin, naja, hört ich vielleicht kindisch an, ... ein Fan von dir."
"Hm, was soll ich sagen, freut mich."
"Ich wollte dich halt mal sehen. So live, halt!"
"Das ist dir ja auch gelungen."
"Ja."
Das Gespräch war verstummt. Keiner der beiden hatte so recht was zu sagen gewußt. Sie hatten sich nur intensiv angeschaut. Plötzlich war im Hintergrund der Aufruf für Henrik ertönt, er solle auf die Bühne kommen. Applaus. Henrik hatte sich noch zu folgenden Sätzen gezwungen und hastig gesagt: "Du, ich muß jetzt. Hast du ... ich meine, Zeit, daß wir, wir uns mal treffen können?"
Markus hatte erfreut gelächelt und aus seiner Tasche eine Visitenkarte gezaubert: "Hier, meine Nummer."
"Danke, dankeschön und bis bald, ja!?"
Markus hatte genickt.
Henrik hatte die Bühne betreten. Er hatte sich verliebt.
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