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Der autobiographische Fortsetzungsroman "Coming Out" von Mathias Plös. Jeden Monat erfahrt ihr hier, wie es weiter geht.

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"Coming Out"

- Teil 1 -

Heute soll also der Tag sein, an dem ich mich hinsetze, um mein Coming-Out aufzuschreiben. Aber wie? Als Ratgeber für andere? Nein, dafür ist es viel zu individuell. Als die üblichen Geschichten, die es schon in vielerlei Formen gibt? Auch nicht. Ich möchte es in meiner eigenen Art schreiben. Als Tatsachenroman, mit anderen Namen zwar, aber ansonsten identisch. 

Probier ich also mal mein Glück: Ich lebe jetzt mein schwules Leben, doch noch vor kurzem war ich ein unscheinbares, unsichtbares Etwas.

Ich lebte zurückgezogen in einer anderen Welt. Schwule kannte ich nicht. Na ja, bis auf die, die in diesen Kitschfilmen vorkamen. Fummeltrienen und Tucken! Aber ich konnte nicht so sein! Dachte ich.

Jetzt sitze ich hier bei meinem Freund am Computer und schreibe meine Geschichte.

So richtig abgeschlossen habe ich mein Coming-Out erst durch ein tragisches Ereignis vor zwei Jahren. Bis dahin war ich noch nicht so selbstsicher und mir einiger Dinge noch nicht so bewußt wie heute. Das ganze begann vor sieben oder acht Jahren. Als ich im achten Schuljahr auf der Realschule war.

Ich war gerade ins achte Schuljahr gekommen. Mitten in der Pubertät, in der einem ja bekanntlich die blödsten Ideen durch den Kopf spuken. Für unseren Jahrgang stand das Betriebspraktikum im 9.Schuljahr bevor. Wir arbeiteten schon so langsam darauf zu, ebenfalls auf die Abschlußfahrt im 10.Schuljahr.

Ich hatte zu der Zeit eine quasi Freundin in meiner Klasse. Nina hieß sie, war etwas kleiner als ich, hatte blonde Haare und hellblaue Augen. Ich war schon vom fünften Schuljahr an mit ihr befreundet und eine Zeit lang, so im siebten und halt achten Schuljahr, meinten alle aus meiner Klasse, dass wir ein Paar wären. Doch irgend etwas fehlte mir dabei.

Ich litt unter einer merkwürdigen, für mich zu diesem Zeitpunkt unerklärlichen Leere und Sehnsucht. Sehnsucht wonach? Leere, weswegen? Das wußte ich nicht. Das alles war mir damals ein absolutes Rätsel. Ich hatte eine, wenn auch angedichtete Freundin mit der ich mich gut verstand. Wieso also dann diese Leere? Mir war vieles so unklar, alles lag wie ein verschleierter Morgen um mich. Wie, wenn man morgens um fünf am Rhein spazieren geht, wenn die Sonne im Sommer langsam aufgeht und der Dunst der Nacht verschwindet. Genauso ging es mir damals.

Nina und ich unternahmen sehr viel zusammen: wir gingen ins Kino, in den Zoo, Eis essen und so weiter. Aber irgend etwas fehlte halt dabei. Ich war glücklich mit ihr, und doch wieder nicht.

Gegen Mitte des Schuljahres machten wir unsere letzte reguläre Klassenfahrt. Traben-Trabach an der Mosel war unser Ziel. Zu diesem Zeitpunkt begann meine Angebetete, sich immer mehr von mir abzuwenden.

Schon in den Abteilen des Intercities, mit dem wir nach Bonn fuhren, begannen wir uns, über die Abschlußfahrt und das Praktikum zu unterhalten. Es war eine recht kühle Atmosphäre, da Zugabteile irgendwie nicht so der richtige Ort sind, um Zukunftspläne zu schmieden.

Nun denn, unser Abteil war übereinstimmend der Meinung, dass wir nach Italien fahren sollten. Und zwar nur unsere Klasse. Was das Praktikum betraf, so hatten wir alle unterschiedliche Vorstellungen von den Orten, wo es stattfinden sollte.

Ich würde mein Praktikum gerne im Krankenhaus machen, stellte Veronika entschlossen heraus. Wäre echt nichts für mich, meinte Thorsten kühl. Eher in irgendeinem Büro. Und du? Sie wandten sich an mich. Am liebsten in einem Hotel, antwortete ich, mindestens genauso fest entschlossen wie Veronika vor mir.

Auch nicht schlecht, meinte Astrid. Da hätte ich auch Interesse dran. Aber andererseits wäre mir ein Chemielabor lieber. Wäre was, was ich auch für den Beruf später gebrauchen könnte. Schließlich will ich ja etwas in Richtung Umweltlaborant lernen.

Da kam unsere Klassenleuchte wieder heraus. Astrid hatte nie irgendwelche Probleme in der Schule und mit dem Lernen.

Nachdem wir in Bonn umgestiegen sind kamen wir nach nochmals einer Stunde Fahrtzeit in Traben-Trabach an. Zu unserem großen Schock mußten wir feststellen, dass wir dann noch bis zur Jugendherberge einen stattlichen Berg rauflaufen mußten. Eine Qual sonders gleichen. Ohne Gepäck war der Hang dort hoch ja schon steil genug, aber mit!

Na ja, auch diese Hürde schafften wir irgendwie. Und so begann eine ziemlich `de Woche für mich. _de und nervend, denn irgendwie fingen auf dieser Klassenfahrt meine lieben Mitschüler an aufzudrehen. Die Zeit des Hänselns begann. Schwuli, das war das Harmloseste von allem, was ich mir anhören mußte. 

Wie kamen die darauf, dass ich schwul sein könnte? Ich wußte es da doch selber noch nicht. Es wird mir glaube ich ewig ein Rätsel bleiben, warum die mich als schwul bezeichneten. Ich sah weder irgendwie schwul aus, noch hatte ich einen besonders intensiven Kontakt mit einem Mann. Doch wie sah ein Schwuler eigentlich aus? Damals dachte ich, dass alle Schwulen aussähen, wie diese Tucken aus den Kitschfilmen, die ja ziemlich regelmäßig im Fernsehen laufen und liefen. So sah und sehe ich nicht aus. Also, woran lag es dann? Vielleicht hatte die ja alle den siebten Sinn, der mir fehlte. Wer weiß!

Na gut, die Klassenfahrt ging also auch zu Ende, und mit ihr auch die schöne Zeit der Ruhe in meiner Schullaufbahn. Als wir wieder zurückkamen begann ich damit, mir erstens einen Praktikumplatz zu suchen, und zum anderen mich einzuigeln.

Ich legte eine Schutzhülle von Gleichgültigkeit und Langeweile um mich, die mich vor den verbalen Angriffen meiner Mitschüler schützen sollte. Doch geholfen hat dieses Schutzschild absolut nicht. Eher im Gegenteil. Je mehr ich mich zurückzog, desto schlimmer wurde alles.

Wir entschieden uns nach der Klassenfahrt dann auch für Italien als Ziel unserer Abschlußfahrt. Leider taten es auch zwei Parallelklassen von uns. So eine Scheiße, diese aufgeblasenen, arroganten Arschlöcher auch noch in Italien um mich zu haben! Meine Klasse war ja schon schwer genug zu ertragen, aber die noch dabei war die Hölle.

Begeistert waren einige aus meiner Klasse auch nicht darüber. Sollen wir nicht doch woanders hin?, fragte Veronika mich auf dem Schulhof.

Warum sollen wir denn nur wegen denen kneifen?, stellte ich die Gegenfrage. Okay, ich kann die auch nicht besonders leiden. Aber vielleicht haben wir ja Glück, und die sind wenigstens in einem anderen Hotel untergebracht!

Du bist echt der hoffnungslose Optimist, antwortete sie nur darauf. Dann kam eine Frage, mit der ich bei Veronika nie gerechnet hätte. Sag mal, stört dich das blöde Gehänsel von den anderen eigentlich nicht?

Klar stört es mich!, antwortete ich. Mir tut es sogar verdammt weh. Ich bin nun mal nicht schwul, und selbst wen dem so wäre. Ich lief rot an und dachte nur bei mir: Scheiße, was hast du jetzt gesagt? Das war eine Falle! Doch Veronika schien es charmant überhört zu haben.

Kurze Zeit später folgten dann die Sommerferien und ich hatte die Versetzung mal wieder geschafft. Ich war jetzt also im 9.Schuljahr und mächtig stolz darauf. In diesem Schuljahr sollte dann auch viel passieren. Nicht nur in der Schule mit dem Praktikum, sondern auch im Privatleben.

Ach ja, das Schülerbetriebspraktikum, wie es so schön hieß. In den sechs Wochen der Sommerferien hatte ich mir schon einige Gedanken über den Ablauf eines Hotelbetriebes gemacht. Wie würde es wohl in der Realität werden?

Ich glaube, ich habe mir in der ganzen Zeit vor dem Praktikum weniger Gedanken um die Möglichkeiten gemacht, die mir dieses Praktikum bieten konnte, als um diese Leere in der Beziehung zu Mädchen. Was fehlte mir eigentlich? Oder hatte ich die richtige noch nicht kennengelernt?

Nach den Weihnachtsferien war es dann soweit. Ich hatte mir als Arbeitsstelle ein Hotel am Hauptbahnhof ausgesucht. Dort arbeitete ich während der zwei Wochen an der Rezeption, im Service des Restaurants und auf der Etage. In dem Hotel wohnte ein paar Tage lang auch ein schwules Pärchen, welches in Duisburg war, um Freunde zu besuchen und die Umgebung zu erkunden.

Sie sahen beide verdammt gut aus. Hatten eine erotische Ausstrahlung wie zehn rassige Italiener. Sie wohnten immer noch im Hotel, als ich in den Etagendienst ging. Eines Morgens bestellten sie sich Frühstück ins Zimmer, da sie am Abend vorher erst spät zurück kamen und entsprechend verkatert waren.

Meine Kollegin fragte mich, ob ich den beiden das Frühstück bringen könnte, da es ihr doch etwas peinlich wäre, in ein Zimmer zu gehen wo eventuell zwei nackte Männer wären.

Dachte die vielleicht, das Schwule immer nur nackt herumlaufen, sobald sie sich sicher fühlen. Na ja, sie war ja auch schon etwas älter, somit konnte ich ihr diese Bitte nicht abschlagen. Vielleicht wäre es ihr ja wirklich zu peinlich, und jetzt hatte sie einen Praktikanten auf der Etage. Also, warum nicht.

Also gut, ich bringe ihnen das Frühstück. Aber ich garantiere für nichts. Tablett schleppen ist nicht gerade meine Paradedisziplin. Ach, das schaffst du schon, meinte sie nur aufmunternd. Also auf in den Kampf.

Gesagt, getan. Ich brachte den beiden also ihr Frühstück. Wie es sich für den Service eines guten Hauses gehörte, klopfte ich an und bin erst auf Aufforderung in das Zimmer gekommen. Doch was ich sah, schockierte mich einerseits, erregte mich aber auch irgendwo.

Beide lagen nackt im Bett.

Michael, der jüngere von beiden war so um die 185cm groß, hatte schwarzes Haar und himmelblaue Augen. Sein älterer Freund Thomas war etwas kleiner, ziemlich gut durchtrainiert und hatte braune Haare und ebenso braune Augen. Beide paßten so gar nicht in die steril wirkende Atmosphäre eines Bahnhofshotels.

Die Zimmer waren zwar nicht klein, aber nur recht einfach ausgestattet. Mit Doppelbett, Schreibtisch, Sitzecke und einer separaten Dusche. Halt auf Konferenzteilnehmer und Gäste auf der Durchreise zugeschnitten. Und in dieser sterilen Atmosphäre lagen also zwei Typen nebeneinander im Bett, die dem Märchenbuch entsprungen zu sein schienen.

Ihr Frühstück, stotterte ich halb verlegen, halb erregt. Versucht die Haltung zu wahren. Oh, der schöne Mensch von der Rezeption. Dass du uns das Frühstück bringst hätte ich nicht gedacht. Stell es einfach mal da auf den Tisch, sagte Thomas, der ältere.

Ich tat es, blickte dabei aber immer noch mehr oder weniger unauffällig zu den beiden. Hast wohl noch nie zwei nackte Männer gesehen, oder?, lästerte sein Freund Michael. Klar, stotterte ich, mir langsam bewußt werdend, daß ich die beiden total bedeppert angeglotzt haben mußte.

Na siehste. Willst du es dir nicht einen Augenblick bequem machen? Wir haben dich nämlich schon seit unserer Ankunft beobachtet und sind uns so ziemlich sicher, daß du nicht auf Frauen stehst. Die auch noch, dachte ich.

„Was soll das? Klar stehe ich auf Mädchen, aber…“, ich wurde energisch, „aber ich weiß nicht… Ach Mensch, es ist doch alles so ätzend. Jungs haben halt auch was an sich. Sind halt irgendwie anders, schöner als Mädchen. Aber ich will nicht schwul sein. Nein, ich bin nicht schwul!“

„Hast du überhaupt schon mal mit einem Kerl Sex gehabt?“, fragte mich Thomas.

„Nee, bisher noch nicht, aber mit einem Mädchen auch noch nicht!“, antwortete ich rasch und biß mir eine Sekunde später auf die Zunge. Jetzt haben die doch gefundenes Fressen, so nach dem Motto, was nicht ist kann noch werden. Bla, bla, bla.

Und richtig, Michael setzte sein Lästermaul gleich wieder in Bewegung. „Dann ist der Kleine ja noch ‘'ne Jungfrau!“ „Und? Ist irgendwas dabei?“, fragte ich mittlerweile ziemlich gereizt.

Doch eh Michael mir eine Antwort gab, spürte ich schon seine Hand zwischen meinen Beinen. Ich hatte mich inzwischen - wie von Geisterhand geführt - zu ihnen gesetzt. Mir war es zu blöd mich im stehen mit ihnen zu unterhalten, und in dem Moment war mir so ziemlich alles egal. Nur das er mir mit seiner Hand zwischen die Beine fuhr wollte ich eigentlich gar nicht. Ich wollte mich eigentlich wehren, doch auf der anderen Seite genoß ich es auch. Er war so zärtlich. Es tat irgendwie ganz gut, von einem Typen genommen, erobert zu werden. Und er machte es unwahrscheinlich zärtlich.

Thomas machte es seinem Freund nach und fuhr mir mit seiner Hand unter mein Hemd. Er massierte mir meine Brustwarzen, und ich fand es total aufregend. Eh ich mich versah, hatten die beiden ganze Arbeit geleistet: Meine Hose lag auf dem Boden, mein Hemd daneben, und ich saß wie ein begossener Pudel zwischen beiden.

Splitterfasernackt! Ich zitterte vor Aufregung, doch mehr vor Geilheit.

Ich spürte wie mein bestes Stück unter der süßen Massage von Michael wuchs, wie Thomas meinen Oberkörper behutsam streichelte. So was habe ich bisher noch nicht erlebt. Ich war wie elektrisiert, als Thomas dann auch noch anfing, an meiner Brust zu lecken und Michael sich mit seiner Zunge zwischen meinen Beinen beschäftigte. Ich fing lustvoll an zu stöhnen.

Bin ich jetzt schwul?, dachte ich. Ich konnte einfach keine klaren Gedanken fassen. Es war einfach zu geil. Doch irgendwie durfte es nicht sein. Nicht hier, nicht zu dieser Zeit. Ich merkte jetzt, was mir immer fehlte, doch hier durfte es nicht zum ersten mal zum äußeren kommen!

Irgendwie hatte ich Angst bekommen und stieß die beiden ziemlich abrupt von mir weg.

Thomas schaute mich verdutzt an. „Haben wir etwas falsch gemacht? Ging es dir zu schnell?“, fragte er mich. Ich wußte erst nicht was ich sagen sollte, doch dann fand ich die Worte wieder.

„Versteht mich nicht falsch, aber es ist für mich alles so neu und…“, fing ich zu erklären an. „Ist schon gut“, antwortete Thomas gelassen. „Du mußt arbeiten, ich weiß.“

„Hättest du denn Lust dich heute abend mit uns zu treffen? Keine Panik, wir müssen ja nicht wieder im Bett landen.“ Michael war wieder sehr direkt.

Klar würde ich mich gerne wieder mit den beiden Treffen, so antwortete ich also mit ja, zog mich schnell an und verließ das Zimmer.

Ja, ich würde mich gerne mit den beiden Treffen, aber dann siegte meine Feigheit wieder. Und mein stolz. Ich bin nicht schwul, also kann ich mich auch nicht mit denen treffen. Und das von gerade war nur ein Ausrutscher, Marke Pubertät. Ich war nicht schwul! Oder doch? Ich war mir da plötzlich nicht mehr so ganz sicher. Zum ersten mal spürte ich das, was mir gefühlsmäßig bei Mädchen fehlte. Doch ich hatte riesige Angst! Vor mir selber, vor dem Leben! Schwule haben doch nur Nachteile. Wie soll ich das aushalten?

Und was sollte ich jetzt meiner Kollegin sagen? Ich war doch mindestens eine halbe Stunde bei den beiden, die ich aber bis heute nicht bereue. So nachdenkend erreichte ich unsere Etagenküche, die am Ende eines langen Ganges lag, der nach links abknickte. An dem abgeknickten Gang lagen einige billigere Zimmer, die nur sehr selten belegt waren und halt unsere Küche. Wenn man das Fenster öffnete war es ziemlich laut. Man hörte, dass wir oberhalb der Gleise des zum Bahnhof gehörenden Güterbahnhofes waren.

Damals befand sich noch die Bahnverladung der Deutschen Bundespost unmittelbar neben und vor dem Hotel.

Meine Kollegin merkte erst gar nicht, dass ich in das Zimmer kam, da sie am geöffneten Fenster stand und der Lärm eines vorbeifahrenden Frachtzuges meine Schritte verschluckte. Als sie mich dann doch registrierte kam die Frage, mit der ich schon irgendwo gerechnet habe. Nur nicht in dieser Form.

„Na, hast du dich denen gleich als Vorspeise zur Verfügung gestellt, oder warst du das Dessert?“, fragte sie spöttisch.

Ich weiß gar nicht mehr so genau, ob ich in diesem Augenblick errötete, oder ob ich überhaupt schockiert aussah. Mir kam es zumindest so vor, als wäre ich in eine gut geplante Falle getappt.

Ich dachte damals irgendwie ständig, dass man mir Fallen stellen würde, um mich als Schwuchtel bloß zu stellen. Jede noch so kleine Bemerkung, die in Richtung schwul ging, wurde von mir als Versuch gewertet, mich aufs Glatteis zu führen. Also mußte es nach meiner Denkweise auch auf diese Situation zutreffen.

Jetzt erst kamen mir komische Gedanken in den Sinn. Meine Kollegin arbeitete schon lange in Hotels und da auf der Etage, also konnte ihr das ganze mit den beiden nicht so peinlich sein. Sie hat doch schon öfter nackte Männer gesehen. Wie sollte es ihr also peinlich sein? 

Also war es eine Falle. Aber wieso? Was brachte es ihr? Ich reagierte zum Glück relativ schnell und gelassen, wie ich damals glaubte. „Die wollten ein paar Ausflugstips für Duisburg haben. Ich habe sie ihnen dann gegeben und auf der Karte gezeigt, wo sie hin müssen“, log ich.

„Ist ja auch richtig so. Nur das nächste mal, oder wenn du wirklich Hotelfachmann werden willst, muß das ganze etwas schneller gehen.“

Damit war die Sache für meine Kollegin gegessen. Doch für mich fing jetzt die lange Zeit des Aus-mir-rauskommens an. Die Zeit in der mich ständig die Fragen quälten: Bin ich schwul? Warum gerade ich? Was kann ich dagegen tun?

Ich war mir klar, dass ich mir diese Fragen irgendwie schon vor dem Praktikum gestellt habe, doch jetzt, nach diesem Erlebnis wurden sie noch viel intensiver.

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