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Neu und exklusiv bei uns im Internet: Der Fortsetzungsroman "Schatten auf dem Regenbogen" von Stephan Klemann. Jeden Monat erfahrt ihr hier, wie es weiter geht.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der schwule Sportler Kevin, die große Liebe, ein Kriminalfall und die Schwierigkeiten des Coming-Outs.

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"Schatten auf dem Regenbogen"

- Teil 9 -

5. Kapitel: Ein neuer Anfang

"Das war wundervoll!", flüsterte Alexander, und auf seinem Gesichtsausdruck zeichnete sich Zufriedenheit ab.

Kevin fuhr mit einem Finger über Alexanders Augenbrauen und streifte ihm dabei eine Haarsträhne aus der Stirn.

"Ja, es war ein tolles Gefühl."

Er machte eine Pause und suchte nach den richtigen Worten. Nach Worten, mit denen er das, was er Alexander heute abend sagen wollte, ausdrücken konnte.

"Weißt Du, mir ist seit gestern einiges klar geworden. Ich meine, als ich heute morgen aufgewacht bin, hatte ich das Gefühl, nicht mehr derselbe zu sein. Es ist, als sei irgendwas passiert. Verstehst Du? Irgend etwas ist mit mir geschehen. Hier ... hier drin."

Dabei zeigte er auf seine Brust. Genau an die Stelle, an der sein in diesem Moment nervös pochendes Herz saß.

"Was meinst Du, Kevin. Ich verstehe nicht. Jedenfalls .... jedenfalls bin ich mir nicht sicher."

Kevin nickte verständnisvoll. Wie sollte Alexander auch durch diese vagen Worten erkennen, was Kevin in seinem Inneren, in seinem Herzen, fühlte?

"Ich weiß jetzt, daß ich mich in der letzten Zeit wie ein Dummkopf benommen habe. Das, was ich jetzt fühle, ist schon seit langem da. Ich weiß nicht warum, aber ich denke, ich habe es immer wieder verdrängt, es nicht wahrhaben wollen."

Er legte sich auf den Rücken und sah an die Decke.

"Hör' zu, Kevin, wenn Dich ... wenn es Dich  ... naja ... wenn Du durcheinander bist, weil wir uns gestern abend ..."

Kevin stützte sich wieder auf seine Ellbogen und sah Alexander an.

"Nein, Alexander, ich bin nicht durcheinander. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Ich weiß es jetzt genau. Es ist plötzlich alles so klar, so eindeutig, daß ich mich ohrfeigen könnte, es nicht schon früher erkannt zu haben. Nein, ich bin bestimmt nicht durcheinander. Jedenfalls jetzt nicht mehr. Ich weiß jetzt genau, was ich fühle. Ja, ich bin mir jetzt sicher: Ich liebe Dich!"

Er legte seinen Kopf auf Alexanders Brust und wartete. Er wartete, wie Alexander jetzt reagieren würde, und während er den gleichmäßigen Atemzügen und dem leisen Pulsieren von Alexanders Herz lauschte, spürte er, wie froh er war. Er war nicht nur glücklich mit dem, was er empfand, sondern er war zufrieden, daß er endlich den Mut gefunden hatte, eine Entscheidung zu treffen, und sie Alexander auch mitzuteilen.

Er spürte, wie Alexander leise, aber tief Luft holte.

"Kevin, Du kannst Dir vorstellen, wie glücklich ich über diese Tatsache bin. Ich habe mir in der letzten Zeit nichts sehnlicher gewünscht. Aber ... aber was ist mit ... was ist mit ... Frank? Ich meine, Du hast ihn so sehr geliebt, und es ist erst so kurze Zeit her, daß Du ... Ich meine, was ist mit Deinen Gefühlen für ihn? Wird er nicht zwischen uns stehen?"

Kevin hob den Kopf und sah Alexander lächelnd an.

"Glaub' mir, Alexander, ich liebe Dich. Ich habe es eigentlich schon länger gewußt, aber gerade weil ich mir diese Frage auch immer und immer wieder gestellt habe, habe ich so lange gezögert. Ja, ich liebe Dich, und Frank wird nicht zwischen uns stehen.

Ich habe ihn nicht vergessen. Das werde ich auch wahrscheinlich nie können. Aber es ist vorbei. Frank ist tot, und nichts auf der Welt wird ihn mir zurückbringen. Das Leben muß weitergehen, und wenn es mit Dir weitergeht, ist es das schönste, was ich mir vorstellen kann. Glaub' mir, ich liebe Alexander Beckmann, nicht einen Geist aus der Vergangenheit."

Alexander nickte mit zufriedenem Lächeln.

"Ja, Kevin, ich glaube Dir, und damit machst Du mich zum glücklichsten Menschen auf der Welt."

Erneut fanden sich ihre Lippen zu einem langen Kuß. Sie hielten sich fest in den Armen, und Kevin spürte Verlangen. Sanft strich er Alexander durch das Haar, ließ seine Hand an seinem Hals hinabgleiten und fühlte den warmen, festen Körper unter ihr.

Ja, er liebte Alexander. Daran hatte er keinen Zweifel mehr, und sein Körper sehnte sich danach, diese Liebe, dieses inständige Gefühl seines Herzens, auch zu beweisen.

Vorsichtig begann er, Alexanders T-Shirt nach oben zu ziehen. Er war sich zunächst nicht sicher, ob Alexander schon bereit war, so weit zu gehen, ob er hier und heute eine Erfahrung machen wollte, die er noch nie genossen hatte. Aber als seine Finger langsam unter das T-Shirt glitten und die warme Haut von Alexanders Brust berührten, machte ihm Alexander klar, daß er bereit war, jetzt etwas zu erleben, von dem er schon immer geträumt hatte. Das es heute mit dem Menschen passierte, der er seit einiger Zeit über alles liebte, nach dem er sich sehnte, und den er begehrte, ließ ihn all' das Zögern der vergangenen Jahre vergessen, und als seine Hand ebenfalls das Hindernis von Kevins T-Shirt überwunden hatte, waren Kevins Zweifel beseitigt.

Kevin erinnerte sich an den Tag nach dem Konzert, als er Alexanders Körper das erste mal in der Garderobe gesehen hatte, und die Erfüllung des Wunsches, diesen Körper einmal zu berühren, entsprach seinen Erwartungen. Alexanders Haut war angenehm warm und mit den zärtlichen Liebkosungen von Kevins Hand wurde der Wunsch nach der Berührung dieses Körpers zu einem Verlangen.

Während ein erneuter Kuß wie ein Band ihrer Liebe ein weiteres mal ihre Herzen verband, ließ Kevin seine Hand an Alexanders Körper nach unten gleiten, bis sie schließlich ihr Ziel erreichte.

Kevin bemerkte, wie Alexander die Augen schloß und sein Gesicht einen erwartungsvoll genießerischen Ausdruck annahm. Und Kevin spürte, daß auch Alexander längst bereit war, an diesem Abend den letzten Schritt zu tun.

Kevin hielt inne und setzte sich auf, und als Alexander fragend die Augen öffnete um zu sehen, warum Kevins Zärtlichkeiten unterbrochen wurden, begann Kevin sich auszuziehen.

"Ich bin ziemlich nervös!", stellte Alexander fest und grinste verlegen.

"Hab' keine Angst! Ich weiß, wir werden es nicht bereuen."

Alexander nickte und begann sich ebenfalls auszuziehen. Bevor er auch das letzte Kleidungsstück abstreifte, sah er Kevin ein letztes mal mit unsicherem Blick an. Nun war es endgültig soweit. Jetzt würde ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gehen, und der Traum, der ihn ihm erwacht war seit er Kevin das erste mal auf dem Sommerfest gesehen hatte, würde endlich Wirklichkeit.

Sie legten sich ins Bett, und als Kevin sich ganz nah' an Alexander kuschelte, als er seinen Körper an seinem spüren konnte, wünschte Kevin sich, nie wieder Alexanders Arme verlassen zu müssen.

Gefühlvoll begann er Alexander zu beweisen, daß es in dieser Nacht nichts gab, daß sie am kommenden Morgen bereuen mußten. Es war für ihn ein berauschendes Gefühl, als seine Hände all' die Stellen an Alexanders Körper berührten, nach denen die Glut des Begehrens, die in ihm loderte, seit einiger Zeit verlangte.

Schließlich überwand auch Alexander sein Zögern und erwiderte die Zärtlichkeiten, die ihm Kevin zuteil werden ließ. Nur wenige Augenblicke später spürte Kevin, daß Alexanders anfängliche Scheu einer Sehnsucht nach inniger Berührung von Kevins Körper gewichen war. Jetzt war er am Ziel, hatte nicht nur die Angst vor der ersehnten aber unbekannten Erfahrung überwunden, sondern er hatte auch die Hindernisse, die von Anfang an zwischen ihm und Kevin gestanden hatten, aus dem Weg geräumt, hatte sie erklommen wie einen Berg, von dem er sich nun in einem Taumel der Lust hinabgleiten ließ in ein Meer von Gefühlen, das er so bisher noch nicht erlebt hatte.

Und als Kevins Lippen das Werk fortführten, das seine Hände in den letzten Minuten begonnen hatten, war der Zeitpunkt des Eintauchens in diesen Ozean der Gefühle, in dieses Inferno aus Leidenschaft und Ungeduld, nicht mehr weit entfernt. Alexander schloß die Augen, hielt die Luft an und erwartete das Ziel. Je näher ihn Kevin an dieses Ziel führte, desto weniger konnte er es erwarten, und in dem Moment, als die Woge der Lust ihn in die unbekannte Welt dieser Gefühle einhüllte, wußte er, daß er nun der glücklichste Mensch der Welt war.

Aber noch hatte die Sehnsucht in ihm nicht all' die Erfüllung gefunden, nach der er sich sehnte. Kevin hatte ihn spüren lassen, was Liebe bedeuten konnte, wie berauschend diese neue Art von Zweisamkeit sein konnte, und alles in ihm verlangte danach, jetzt endlich auch den Rest dieser Welt zu ergründen.

Kevin blickte Alexander fragend an, und er las in seinen Augen und seinem zufriedenen Lächeln, daß er immer noch nicht bereute, was in diesen Minuten geschah. Als Alexander begann, Kevin zu beweisen, daß Traum und Wirklichkeit heute abend eins waren, wußte Kevin, daß sie hier und jetzt nicht nur den Grundstein für einen neuen Umgang miteinander gelegt hatten, sondern daß die Entscheidung, mit der er heute morgen aufgewacht war, richtig war.

Alexander hatte den ersten Schritt in eine neue Welt getan, und er brauchte nicht lange, bis Kevin ihn davon überzeugen konnte, daß er auf dem richtigen Weg war. In dem Augenblick, in dem sein Körper ihm dies bestätigte, als das Meer der sehnsüchtigen Begierde auf den brodelnden Vulkan von Kevins Lust traf, wußte auch Alexander, daß er eine Tür aufgestoßen hatte, hinter der eine andere Welt lag. Eine Welt, die ihm eine Zukunft versprach, die er nie wieder vergessen wollte, und in der er das nächste Aufeinandertreffen der Gefühle schon jetzt kaum erwarten konnte.

Zufrieden gab sich Alexander in Kevins Arme und genoß die Nähe. Die Nähe, die ihm dieser Körper bot, und der jemandem gehörte, den er ab heute seinen 'Geliebten' nennen konnte.

"Was denkst Du?"

Obwohl Kevin genau spürte, daß Alexanders Erwartung sich erfüllt hatten, stellte er diese Frage, suchte nach der Bestätigung dessen, was er zu empfinden glaubte.

"Ach, Kevin, es war wundervoll. Und ich bin glücklich. Ich bin so froh, daß Du mir gezeigt hast, wie schön es ist. Ich liebe Dich!"

Kevin nickte unmerklich und lächelte.

"Ja. Es war phantastisch. Und eins ist mir jetzt wirklich klar: Ich liebe Dich auch!"

Verschlafen öffnete Kevin die Augen, und das erste, was er an diesem Morgen empfand, war ein stechender Schmerz im Herzen. Die angenehmen Erinnerungen an den vergangenen Abend und das, was an diesem Abend hier geschehen war, waren mit einem Schlag fort. Und mit ihnen auch das Glücksgefühl, das ihn in dieser Nacht begleitet hatte.

Mühsam versuchte er sich darüber klar zu werden, ob sein Zusammensein mit Alexander und die Liebe, die sie sich vor einigen Stunden nicht nur gestanden, sondern auch bewiesen hatten, nur der Bestandteil eines wundervollen Traumes gewesen war, oder ob er wirklich mit Alexander etwas erlebt hatte, daß er seit langem vermißt hatte.

Kevin hatte die Augen noch nicht geöffnet, als er bereits gespürt hatte, daß er alleine im Bett lag. Forschend tastete seine Hand neben sich und suchte nach dem Menschen, den zu lieben er gestern erkannt hatte.

Aber er war alleine!

Es mußte noch ziemlich früh sein, und Kevin hatte Mühe, aus den Tiefen des Schlafs zurück in die Realität zu finden.

Er richtete sich auf und sah sich im Zimmer um, und als sein Blick an den Kleidungsstücken neben seinem Bett hängen blieb wußte er, daß er nicht geträumt hatte. Alexanders Sachen lagen immer noch auf dem Boden. Also war alles nicht nur eine Einbildung, eine Wunschvorstellung gewesen, sondern es war wirklich passiert. Er hatte mit Alexander geschlafen.

Aber wo war Alexander?

Die Frage beantwortete sich von selbst, als Kevin die Toilettenspülung vernahm, und Alexander kurz darauf aus dem Bad kam. Kevin lächelte ihm erwartungsvoll entgegen, und bei dem Anblick des nackten Körpers spürte er erneut Verlangen in sich aufsteigen.

"Hi, hab' ich Dich geweckt?"

Kevin schüttelte den Kopf und signalisierte Alexander durch ein Klopfen auf das Bett, sich wieder neben ihn zu legen.

"Ich denke, ich sollte jetzt wieder in mein Zimmer gehen."

Kevin war verwundert.

"Warum? Ist etwas nicht in Ordnung? ... Bereust Du, was geschehen ist, was gestern Abend zwischen uns gewesen ist?"

Alexander setzte sich zu Kevin auf das Bett und strich ihm sanft durch das Haar.

"Nein, Kevin, natürlich nicht. Im Gegenteil! Es war das größte, was ich je erlebt habe, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als daß wir das bald wiederholen können. Ich liebe Dich, und seit gestern Abend weiß ich, daß ich immer in Deiner Nähe sein möchte. Ganz nah!"

"Aber warum willst Du jetzt schon gehen? Es ist noch früh, und wir haben noch genügend Zeit."

"Ich weiß, aber wir treffen uns um halb neun mit einem Reporter für ein Interview. Und Bernd holt mich um acht Uhr ab."

Er zögerte und sah unsicher auf den Boden.

"Naja, ... weißt Du, ich weiß einfach nicht ... ob ich ... wenn jemand ..."

Kevin verstand, was Alexander sagen wollte.

"Ist schon O.k.! Mach Dir keine Sorgen. Ich kenne das. Mir ging es damals genauso. Es wird einige Zeit dauern, bis Du offen dazu stehen wirst.  Ich weiß, daß Du irgend einmal offener mit dieser Situation umgehen wirst. Mit 'unserer' Situation."

Alexander sah Kevin lächelnd an und nickte. Er war glücklich darüber, daß Kevin so viel Verständnis für ihn hatte.

"Ja, ich hoffe es. Es ist alles so schwierig, so neu. Und außerdem ist da auch noch die Band."

Alexander sah nachdenklich auf den Boden und begann dann, sich anzuziehen, während Kevin ihm mit hinter dem Kopf verschränkten Armen zusah.

Als Alexander fertig war, setzte er sich noch einmal zu Kevin auf das Bett und gab ihm einen Kuß.

"Bis später! Wir sehen uns nachher in der Halle."

Nach einem letzten Abschiedskuß verließ Alexander das Zimmer, und Kevin blieb mit einen Glücksgefühl zurück, das ihn den Schmerz der letzten Wochen vergessen ließ, das diese quälenden Erinnerungen und die Trauer fortblies, und das ihn endlich wieder das Leben fühlen ließ.

Ja, er war glücklich an diesem Morgen, und er freute sich bereits auf das nächste Wiedersehen mit Alexander. Auf das Wiedersehen - und das Wiederfühlen.

Kevin sog die frische Luft dieses frühen Nachmittags begierig in seine Lungen. Das Glücksgefühl in seinem Herzen schien ihn fast zu zerreißen. Er wäre am liebsten laut jubelnd jedem Menschen, der ihm entgegen kam, um den Hals gefallen und hätte ihnen allen so gerne von seinem Glück, seiner Liebe - seinem Alexander erzählt.

Ja, er fühlte sich unendlich glücklich! So hatte er sich seit langem nicht mehr gefühlt, und er genoß es in allen Winkeln seines Körpers. Es tat so gut, endlich die Last der Vergangenheit abzuschütteln, einfach hinter sich zu lassen, und sich auf das Jetzt und die Zukunft zu konzentrieren. Seit dem vergangenen Abend hatte das Leben wieder einen Sinn bekommen. Ja, seit diesem wundervollen Abend mit Alexander hatte das Weiterleben einen Grund: Die Liebe zu Alexander und die Erkenntnis, daß auch Alexander diese Liebe nicht nur empfand, sondern auch den Mut gefunden hatte, sich ihr zu stellen, gab Kevin die Hoffnung, daß die Qualen des Vergangenen wenn auch nicht vergessen, so doch wenigstens an Bedrohlichkeit verloren hatten. Sie beherrschten jetzt nicht mehr wie mahnende Standbilder aus einer wunderschönen, aber vergangenen Zeit sein Fühlen, seine Gedanken, und sie würden sein Handeln fortan nicht mehr immer wieder in Frage stellen.

Er hatte an diesem Morgen noch lange im Bett gelegen und über seine Situation nachgedacht. Und das Glücksgefühl, das ihn jetzt wie ein heißer Strom durchfloß, basierte nicht nur auf dem, was sich gestern Abend ereignet hatte, war nicht nur begründet durch die Liebe, die sie sich endlich gestanden hatten, sondern es war das Ergebnis der Tatsache, daß die fragenden, ja zweifelnden Gedanken über die Richtigkeit dieser Liebe seit diesem Morgen keine Chance mehr hatten. Sie konnten ihn nicht länger davon abhalten, Alexander zu lieben und sich das Verlangen einzugestehen, daß er bei ihm sein wollte. Und Kevin war sich absolut sicher, daß es nur eine Frage der Zeit war, bis diese Gedanken vollends aus seinem Hirn verschwunden waren. Er wollte sie abstreifen, hinter sich zurück lassen. So, wie er Frank auf dem kleinen Friedhof in seiner Heimatstadt hatte zurücklassen müssen.

Alexander war heute den ganzen Tag unterwegs, und sie würden sich erst heute Abend zum Konzert wiedersehen. Um die Qualen des Wartens ein wenig zu mildern, hatte Kevin nach dem Mittagessen beschlossen, sich die Stadt etwas anzusehen, um sich so die Zeit zu vertreiben.

Es war ein sonniger Tag, und zahlreiche Menschen begegneten ihm in den Straßen. Sie schlenderten an den Schaufenstern vorbei oder hetzten teilnahmslos durch die Gegend.

Kevin nahm das, was er in den Straßen und Schaufenstern sah, nur oberflächlich wahr. Seine Gedanken kreisten immer nur um einen Punkt: Um Alexander!

Und so bemerkte er, daß er die Hauptverkehrsstraßen hinter sich gelassen und fast menschenleere Gassen erreicht hatte erst, als er einem Passanten ausweichen wollte, der vor ihm den schmalen Bürgersteig versperrte.

Aber auch als er einen Schritt beiseite getreten war, konnte er seinen Weg nicht fortsetzen. Der Mann stand immer noch vor ihm!

Sofort riefen ihn seine Instinkte wieder in die Wirklichkeit zurück. Der Mann hatte nicht zufällig einen Ausweichversuch in die gleiche Richtung wie Kevin unternommen, sondern versperrte ihm absichtlich den Weg. Endgültig klar wurde ihm das, als auch ein weiterer Versuch an ihm vorbeizukommen, keinen Erfolg brachte. Und diesmal sah Kevin, daß der Mann sich ihm absichtlich in den Weg stellte.

Und jetzt sah Kevin auch, daß der Mann nicht alleine war. Zwei weitere Gestalten standen hinter ihm, und einen von ihnen erkannte Kevin sofort!

"Hallo Kevin! Ich glaube, wir müssen uns einmal unterhalten!"

Die Stimme des vor ihm stehenden Mannes klang eisig, und Kevin spürte sofort, daß mit ihm sicher nicht gut Kirschen essen war!

"Ich wüßte nicht, worüber! Lassen Sie mich in Ruhe!"

Kevin wählte einen freundlichen Tonfall, der aber auch ein gewisses Maß an Bestimmtheit zum Ausdruck brachte.

"Na, ich denke doch, Du weißt genau worüber. Oder etwa nicht, Chris?"

Der letzte Satz war als Frage an dem hinter ihm stehenden Mann gerichtet. Ihn hatte Kevin direkt erkannt, und damit wußte er auch, worüber sich dieser Typ jetzt mit ihm unterhalten wollte. Und Kevin hatte auch eine Ahnung, ein Gefühl, wer ihm gerade den Weg versperrte.

Vorsichtig sah er sich um. Außer ihnen war weit und breit niemand zu sehen!

"Ich denke, Kevin, Du weißt genau, wovon er spricht!"

Diesmal antwortete Chris, und er schien wesentlich selbstsicherer zu sein als bei ihrer letzten Unterhaltung.

Der Mann direkt vor Kevin nickte zustimmend, und ein breites Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht. Er war, wie die anderen, Mitte bis Ende zwanzig, groß gewachsen und nicht gerade ein Leichtgewicht.

Kevin reagierte auf die Antwort von Chris mit keiner Geste. Er stand da und wartete. Er wartete, was die drei Typen jetzt tun würden, und wie sie auf sein Schweigen reagieren würden.

"Ich nehme an, Dir sagt der Name "Frank Schneider" etwas ?"

Jetzt sprach wieder der Kerl direkt vor ihm, und Kevin war sich jetzt sicher, wen er vor sich hatte.

Bei Franks Name spürte er ein Zerren in seinem Inneren, ein Reißen in seinem Herzen. Aber er riß sich zusammen, ließ sich nichts anmerken.

"Oh ja, der Name sagt mir sehr wohl etwas! Er ist der Grund für meine Anwesenheit hier. Er weckt Erinnerungen, unangenehme Erinnerungen! Und er ist unauslöschlich mit einem anderen Namen verbunden: ..."

Er zögerte und wartete, wie die anderen reagierten. Aber das Lächeln verschwand nicht aus dem Gesicht seines Gegenübers. Vielleicht war es nur das beklemmende Gefühl in seinem Herzen oder die Anspannung, mit der sein Körper auf die momentane Situation reagierte. Aber Kevin hatte den Eindruck, daß das Lächeln noch eine Spur widerlicher, abstoßender geworden war.

"... Peter !"

Das Lächeln wich aus Peters Gesicht und wurde durch ein herzhaftes, jedoch spürbar gekünsteltes Lachen ersetzt!

Kevin wartete nicht, bis Peter sich wieder beruhigte.

"Und dieser Name bedeutet für mich Diebstahl, Betrug, Verrat und ... Mord!"

Das Lachen verschwand schlagartig, und Peters Gesicht wurde ernst. Ernst und drohend.

"Hey, Kleiner, halt Dich zurück! Das sind harte Worte. Sei vorsichtig was Du sagst, sonst ...."

"Sonst? Was sonst? Willst Du noch einen Mord begehen?"

Peter wollte erneut zu einem heftigen Wortschwall ansetzen. Aber er hielt sich zurück und versuchte erneut ein Lächeln, das sein Gefühl der Überlegenheit ausdrücken sollte.

"Weißt Du, Du kannst phantasieren wie Du willst. Das stört mich recht wenig. Aber es gibt etwas, das mich ganz gewaltig stört: Du behinderst meine Geschäfte! Und da versteh' ich keinen Spaß."

Diesmal lächelte Kevin ihm selbstbewußt entgegen.

"Hm, und was willst Du dagegen unternehmen?"

"Ich werde ... aber das sollten wir nicht hier besprechen! Laß uns dort in den Hof gehen. Da sind wir ungestört!"

Er deutete mit dem Kinn auf die andere Straßenseite. Hinter einer dunklen Einfahrt zeigte sich ein großer Hof, der anscheinend von einer hohen Mauer umgeben war.

Kevin dachte angestrengt nach. Er ahnte, was Peter und die anderen dort von ihm wollten. Sie hatten es schon einmal versucht, und diesmal war Peter wahrscheinlich selbst erschienen, um die Sache richtig zu erledigen.

Sie waren zu dritt, und er war allein. Trotz seiner Fähigkeiten war das eine gefährliche Situation. Entgegen der allgemein üblichen Annahme waren selbst seine Kampfsportfähigkeiten keine Garantie für einen Sieg.

Er dachte an einen der zahlreichen Philosophien seines Trainers. Er hatte immer gesagt, die beste Gelegenheit für einen Sieg in einem Kampf sei, ihn zu vermeiden. Aber ließ sich diese Auseinandersetzung jetzt vermeiden? Sollte er laut schreien, davonlaufen oder hier auf offener Straße eine Schlägerei beginnen um so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen?

Bei realistischer Einschätzung der Lage schien ihm dies wenig erfolgversprechend. Und außerdem: Hatte er nicht von Anfang an gewußt, daß es zu diesem Kampf kommen würde? War ihm nicht, seit er begonnen hatte Franks Tod zu recherchieren, klar, daß dies der Zeitpunkt war, der kommen mußte?

Nein, diese Auseinandersetzung ließ sich nicht vermeiden. Und er wollte es auch gar nicht wirklich. Er gab ihm die Gelegenheit, die Sache ein für allemal zu klären. Jetzt war es soweit. Hier und jetzt!

"O.k., wenn Du unbedingt willst!"

Peter nickte nur kurz und überquerte dann die Straße.

Sie traten in die Dunkelheit der Einfahrt und erreichten schließlich den Hof. Außer ein paar Wäscheleinen, die den nackten Beton überspannten, war der Hof gänzlich leer. Eine hohe Mauer trennte ihn von den Nachbargrundstücken auf drei Seiten. Die vierte Seite wurde vom Haus begrenzt.

"Also, wie ich schon sagte, störst Du meine Geschäfte, und das kann ich gar nicht leiden. Wie kann ich Dich überzeugen, daß es besser ist, die Finger aus meinen Geschäften zu lassen?"

Er wartete eine Antwort von Kevin nicht ab, sondern sprach unbeirrt weiter.

"Was hälst Du von einer ... nennen wir es mal: einmaligen Erfolgsbeteiligung? Sagen wir mal 5000,- DM? Das dürfte doch wohl reichen. Es ist mehr, als Du bei der Band verdienen kannst."

Kevin schnaubte verächtlich.

"Was bildest Du Dir eigentlich ein? Glaubst Du eigentlich, mit Geld alles kaufen zu können?"

"Wer redet denn von kaufen? Ich mache Dich zu einem Teilhaber, zu einem Geschäftspartner!"

"Mit Deinem Geld kannst Du vielleicht diese beiden Schießbudenfiguren gefügig halten, aber bei mir zieht das nicht!"

"So? Naja, vielleicht sind 5.000 nicht genug? Also gut, sagen wir 10.000 ?"

Kevin schüttelte verständnislos den Kopf.

"Du tust mir leid, Peter. Das Geld hat Dir völlig den Sinn für die Realität geraubt. Glaubst Du etwa, Du könntest mich mit Geld davon abhalten, Franks Tod aufzuklären?"

Auf Peters Gesicht erschien wieder dieses siegessichere Lächeln.

"Nein, Kleiner, das habe ich nicht geglaubt. Es hätte mich auch irgendwie enttäuscht, wenn Du das Geld angenommen hättest. Aber diese Lösung hätte uns eine Menge Arbeit erspart. Und Dir eine Menge Probleme! Warum bist Du eigentlich an dieser Angelegenheit so interessiert? Was hast Du mit diesem Frank zu tun?"

Für einen kurzen Moment sah Kevin vor seinem geistigen Auge wieder jenes grausige Bild von Frank. Wie er blutüberströmt auf der Trage lag, die die Sanitäter in jener Nacht an ihm vorbei getragen hatten. Und er fühlte wieder diesen entsetzlichen Schmerz, als der Arzt im Krankenhaus verkündet hatte, daß Frank gestorben war.

Wie sollte er diesem Peter jetzt all' das erklären?

"Nun, sagen wir einfach mal, ich habe ein persönliches Interesse!"

"Tja, warum auch immer. Ich habe dich gewarnt. Und ich habe Dir eine Chance angeboten, Dich ohne Gesichtsverlust aus der Sache zurückzuziehen. Überleg' es Dir nochmal!"

"Gib Dir keine Mühe, Peter. Ich werde mich erst zurückziehen, wenn ich weiß wer an Franks Tod Schuld hat, und warum er sterben mußte!"

Peter lächelte verächtlich.

"Vielleicht war auch er nicht davon zu überzeugen, sich als Partner bei meinen Geschäften zu beteiligen? Vielleicht war er einfach zu empfindlich, zu sensibel für die Realität?"

Chris trat einen Schritt vor.

"Wir haben jetzt genug geredet, Peter. Laß uns die Sache hinter uns bringen. Ich kann mir das Gelaber nicht länger anhören."

Peter nickte.

"Ich denke, unser Angebot war nicht überzeugend genug. Vielleicht sollten wir etwas ... überzeugendere Argumente vorbringen?"

Jetzt war es soweit! Kevin wußte, daß nun das passieren würde, was der Grund für ihr Zusammentreffen war.

Peter nickte dem dritten Typen, der sich bisher recht schweigsam im Hintergrund gehalten hatte, zu. Und er gab ihm damit zu verstehen, daß er sich jetzt um die etwas "überzeugenderen" Argumente kümmern sollte. Der Kerl zog seine Jacke aus und kam zwei Schritte auf Kevin zu.

Kevin drehte sich etwas zur Seite und verlagerte sein Gewicht auf das hintere Standbein. Zu seiner Überraschung nahm auch sein Gegenüber eine Kampfstellung ein. Als er auch noch seine Arme in Position brachte wußte Kevin, daß er es mit einem Gegner zu tun hatte, der ebenfalls Kampfsporterfahrung zu haben schien.

Die Sekunden schienen endlos langsam zu verstreichen. Schweigend und regungslos verharrten die beiden Kontrahenten in ihren Positionen und fixierten sich mit Blicken.

Die erste Attacke des Angreifers erkannte Kevin frühzeitig, und er blockte das hochschnellende Bein mit beiden Unterarmen ab. Für jemanden, der mit der Kunst des Kampfsportes keine Erfahrung hatte, mochte das Geräusch, das die aufeinanderprallenden Knochen verursachten, beängstigend klingen, und Kevins Arme überstanden diesen harten Aufprall nur deswegen unbeschadet, weil Kevin im Laufe der letzten Jahre gelernt hatte, seine Muskeln im richtigen Moment anzuspannen und weil seine Knochen die Härte einer solchen Abblockreaktion gewohnt waren.

Der Angreifer war deutlich kräftiger als Kevin, und es überraschte Kevin, wie schnell und gewandt er seinen Angriff fortsetzte.

Anstatt seinen Fuß wieder nahe der ursprünglichen Ausgangsposition abzusetzen brachte der Kerl ihn unmittelbar neben Kevin auf den Boden und war damit plötzlich ganz nahe bei Kevin. Ohne zu zögern schnellte die Faust des Angreifers vor und traf Kevin am Kinn.

Er versuchte noch, der Wucht des Schlages auszuweichen, aber die Aktion kam so schnell, daß Kevin einen Treffer nicht vermeiden konnte. Die Wucht des Schlages riß ihn zu Boden, und instinktiv rollte er sich zur Seite ab, um den Abstand zwischen ihm und dem Angreifer wieder zu vergrößern. Sein Kinn schmerzte höllisch und er spürte, das seine ohnehin schon geschundene Lippe erneut aufgeplatzt war und blutete.

Er schüttelte die Benommenheit, die der Treffer ausgelöst hatte, ab und sah zu seinem Gegner. Der stand regungslos da und grinste Kevin hämisch an.

Eine Sekunde später stand Kevin wieder auf seinen Beinen und erwartete den nächsten Angriff.

Und der ließ auch gar nicht lange auf sich warten.

Der Angreifer führte eine Reihe von Tritten aus, die alle auf Kevins Unterleib gerichtet waren. Doch Kevin blockte sie mit den Händen ab, und schließlich gelang es ihm, einen kraftvollen Kick am Kopf des Kerls landen zu können. Der Tritt brachte ihn zu Fall, und als der Schläger sich wieder auf seine Knie stemmte um sich zu erheben, landete Kevin einen erneuten Treffer. Diesmal traf er mit dem Fußrücken ziemlich hart die Rippen des Angreifers, so daß er laut aufstöhnte und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Seite hielt.

Irgendwie gelang es ihm, wieder auf die Beine zu kommen, doch Kevin ließ ihm keine Zeit, erneut in Angriffshaltung überzugehen. Als sich der Kerl wieder aufgerichtet hatte, traf ihn auch schon der nächste Kick. Kevin hatte sich blitzschnell um seine eigene Achse gedreht. Dabei riß er einen Fuß hoch und landete einen erneuten Treffer am Kopf seines Gegners. Diesmal reichte die Wucht des Aufschlages nicht aus, ihn zu Fall zu bringen, aber sie genügte, ihm für einige Augenblicke die notwendige Konzentration zu nehmen. Der Kerl stand recht unkonzentriert da, und Kevin entdeckte eine Lücke in seiner Deckung, die er sofort ausnutzte.

Er legte alle Kraft und alles, was er an entsprechenden Techniken gelernt hatte, in den Fauststoß, und als seine Faust die Brust seines Gegners in Herzhöhe traf, wußte Kevin sofort, daß der Kampf damit zu Ende sein würde. Noch ehe der schwere Körper seines Gegners auf dem Boden aufschlug, hatten seine Augen sich soweit von der Realität verabschiedet, daß weitere Aktionen von ihm nicht zu erwarten waren.

Kevin wartete, ob der Angreifer auch tatsächlich ausgeschaltet war. Er mußte sicher sein, daß von ihm keine Gefahr mehr drohte. Aber anscheinend wartete er eine Sekunde zu lange. Denn plötzlich drohte ihm Gefahr aus einer ganz anderen Richtung.

Chris wollte die Gunst des Augenblicks nutzen um Kevin auszuschalten. Er hatte sich soweit in eine Ecke des Hofes zurückgezogen, daß er jetzt hinter Kevin stand, und mit zwei Schritten war er bei Kevin.

Er schien erkannt zu haben, daß er sich auf einen richtigen Zweikampf mit Kevin nicht einlassen konnte. Statt dessen legte er von hinten seine Arme um Kevins Hals und begann, mit aller Kraft zuzudrücken.

Kevin hatte Mühe weiterzuatmen, und schon nach wenigen Sekunden tanzten rote Kreise vor seinen Augen. Er versuchte sich aus der Umklammerung zu lösen, aber Chris war ziemlich kräftig und ließ nicht locker.

Aber Chris hatte einen Fehler begangen. Bei seiner Umklammerung hatte er vergessen, Kevins Arme zu blockieren, und Kevin nutzte dies rücksichtslos aus. Mit aller Kraft rammte er seinen Ellbogen nach hinten, und der gellende Aufschrei von Chris deutete ihm zweifelsfrei an, daß er ihm soeben ein paar Rippen gebrochen hatte. Obwohl Chris wie ein Besessener an Kevins Hals hing, lockerte sich durch diese Aktion sein Griff etwas, und Kevin gelang es, eine Hand zwischen seinen Hals und einem Arm von Chris zu bekommen. Und damit hatte er auch die Chance, sich ganz aus dem Würgegriff zu befreien. Und es wurde langsam Zeit! Die Luft wurde ihm knapp, und immer mehr Kreise tanzten bedrohlich vor seinen Augen.

Er nutzte den jetzt etwas gelockerten Haltegriff von Chris um sich in der Umklammerung etwas zur Seite zu drehen. Dadurch erhielt er endlich die Chance, sich aus Chris' Griff zu befreien. Er packte einen seiner Arme mit beiden Händen und riß ihn von seinem Hals fort. Dabei drehte er sich nicht nur ruckartig herum, sondern verdrehte den Arm so weit, daß Chris erneut aufheulte und sich weit vornüberbeugte.

Kevin zögerte auch diesmal keine Sekunde. Ohne den Griff zu lockern riß er einen Fuß hoch und ließ ihn mit aller Kraft auf Chris' Hinterkopf landen. Spätestens als sein Kopf auf den Boden aufschlug und ihm dabei die Nase brach, war für Chris dieser Kampf ebenfalls zu Ende.

Diesmal machte Kevin nicht den Fehler, zu lange auf das Ergebnis seiner Aktion zu warten. Sofort wandte er sich Peter zu. Gerade noch rechtzeitig um das schwarze Metall in seinen Händen zu entdecken.

Die Erkenntnis, daß Peter eine Pistole auf ihn richtete, daß er sie mit Sicherheit auch benutzen wollte, und seine Reaktion auf diese ungleiche Situation, war für Kevin eins.

Etwa drei Meter trennten sie, und wenn Kevin nicht blitzartig reagiert hätte, hätte die abgefeuerte Kugel weit mehr Schaden angerichtet.

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